18.12.2019 – Lippische Landes-Zeitung – Film zum Lügde-Prozess: Die Aufarbeitung des Unfassbaren

Detmold. Kaum ein Kriminalfall hat Lippe in seinen Grundfesten so sehr erschüttert wie der Missbrauchsfall Lügde. Über Jahrzehnte hinweg sind auf dem Campingplatz „Eichwald“ in Elbrinxen“ Kinder auf unvorstellbare Weise sexuell missbraucht worden. Es gab vereinzelte Hinweise, die nie konsequent genug verfolgt wurden, erst die Aussage eines zehnjährigen Mädchens bringt die Ermittlungen Ende 2018 ins Rollen. Am 5. September dieses Jahres sind die Haupttäter für 450 Einzeltaten an 32 Kindern vor dem Detmolder Landgericht verurteilt worden.

Dauercamper Andreas V. (56) muss für 13 Jahre in Haft, sein 34-jähriger Mittäter Mario S. für 12 Jahre – für beide ordnet die Jugendschutzkammer die anschließende Sicherungsverwahrung an. Zu Prozessbeginn sitzt noch ein dritter Angeklagter in Saal 165. Dessen Verfahren wird aber abgetrennt. Heiko V. (49) aus Stade kann das Gericht mit einer zweijährigen Bewährungsstrafe als freier Mann verlassen. Ganz Deutschland verfolgt den Missbrauchsprozess in Detmold, der an zehn Prozesstagen immer weitere, unfassbare Details offenbart.

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19.03.2019 – Ostsee Zeitung – Missbrauchsfall Lügde: Jugendamt erhielt Hinweise auf Pädophilie

17:57 19.03.2019
Panorama Behördenfehler
Missbrauchsfall Lügde: Jugendamt erhielt Hinweise auf Pädophilie

Bei der Polizei verschwundene Kinderporno-Dateien, im Jugendamt gelöschte Akten: Erleichterten Behörden den tausendfachen Kindesmissbrauch von Lügde, indem sie untätig blieben? Der Landkreis Hameln entschuldigt sich erstmals bei den Opfern.

Lügde. Es war nicht nur die vermüllte Behausung auf dem Campingplatz und der große Altersunterschied: Trotz mehrfacher Hinweise auf Pädophilie hat das Jugendamt Hameln einen heute 56-Jährigen als Pflegevater für ein kleines Mädchen eingesetzt. Der Mann aus Lügde im Weserbergland gilt als Hauptverdächtiger im Fall von tausendfachem Kindesmissbrauch mit mindestens 34 Opfern. Hamelns Landrat Tjark Bartels (SPD) räumte am Dienstag ein, dass schon 2016 eine Jobcenter-Mitarbeiterin, ein anderer Vater sowie eine Kindergarten-Psychologin den Verdacht auf sexuell übergriffiges Verhalten äußerten. Diese Hinweise seien in den Akten vermerkt. In der Vergangenheit hatte der Landrat darauf verwiesen, dass sich die Akten noch bei der Staatsanwaltschaft befinden.

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14.03.2019 – Die Welt – Missbrauchsfall Lügde: Mehr Opfer und mehr Polizeipannen

Nordrhein-Westfalen
Missbrauchsfall Lügde
Mehr Opfer und mehr Polizeipannen
Stand: 14.03.2019 | Lesedauer: 3 Minuten

Von Dorothea Hülsmeier

Wie konnte es im Missbrauchsfall Lügde zu mehreren Polizeipannen kommen? Und warum hat nicht früher die Polizei Bielefeld die umfangreichen Ermittlungen übernommen? Innenminister Reul musste sich im Innenausschuss Fragen stellen.

Der Missbrauchsfall von Lügde nimmt immer erschreckendere Ausmaße an. Die Zahl der Opfer sei inzwischen auf mindestens 34 gestiegen, sagte NRW-Innenminister Herbert Reul (CDU) am Donnerstag im Innenausschuss des Landtags. Bei 14 weiteren Personen bestehe der Verdacht, dass auch sie Opfer des vielfachen Missbrauchs auf einem Campingplatz geworden sein könnten. Reul rechnet daher mit einer weiter steigenden Opferzahl. Bislang waren die Ermittler von mindestens 31 Opfern ausgegangen.

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26.09.2018 – Domradio – Erschrecken nach Missbrauchsstudie im Auftrag der Bischöfe

Ergebnisse der Studie zu Missbrauch in der katholischen Kirche

Bei der Herbstvollversammlung der Deutschen Bischofskonferenz ist die Missbrauchsstudie offiziell vorgestellt worden. Rund vier Jahre lang arbeitete ein Forscherkonsortium um den Mannheimer Psychiater Harald Dreßing daran. Die Untersuchung, die die katholischen Bischöfe in Auftrag gaben, hat 356 Seiten und umfasst die Jahre 1946 bis 2014. Alle 27 Bistümer nahmen – für unterschiedliche Zeiträume – an der Studie teil, einige Bistümer wurden vertieft für die gesamte Phase untersucht. Sowohl Namen der Betroffenen als auch der Bistümer selbst sind anonymisiert.

Einige der wichtigsten Ergebnisse: In den 38.156 ausgewerteten Akten der 27 deutschen Bistümer gab es bei 1.670 Klerikern (4,4, Prozent) Hinweise auf Beschuldigungen des sexuellen Missbrauchs Minderjähriger. Darunter waren 1.429 Diözesanpriester (5,1 Prozent aller Diözesanpriester), 159 Ordenspriester (2,1 Prozent) und 24 hauptamtliche Diakone (1,0 Prozent).

3.677 Kinder und Jugendliche sind als Opfer dieser Taten dokumentiert. Bei 54 Prozent der Beschuldigten lagen Hinweise auf ein einziges Opfer vor, bei 42,3 Prozent Hinweise auf mehrere Betroffene zwischen 2 und 44, der Durchschnitt lag bei 2,5. 62,8 Prozent der von sexuellem Missbrauch Betroffenen waren männlich, 34,9 Prozent weiblich, bei 2,3 Prozent fehlten Angaben zum Geschlecht. Das deutliche Überwiegen männlicher Betroffener unterscheidet sich nach Angaben der Forscher vom sexuellen Missbrauch an Minderjährigen in nicht-kirchlichen Zusammenhängen. Beim ersten Missbrauch waren 51,6 Prozent der Betroffenen jünger als 14 Jahre alt. 25,8 Prozent waren 14 oder älter, bei 22,6 Prozent war das Alter nicht dokumentiert.

Drei von vier Betroffenen standen mit den Beschuldigten in einer kirchlichen oder seelsorgerischen Beziehung, zum Beispiel als Messdiener oder als Schüler im Rahmen von Religionsunterricht, Erstkommunion- oder Firmvorbereitung. Bei 566 Beschuldigten (33,9 Prozent) wurden kirchenrechtliche Verfahren wegen sexuellen Missbrauchs Minderjähriger eingeleitet, bei 53 Prozent nicht, bei 13,1 Prozent fehlten entsprechende Angaben. Rund ein Viertel aller eingeleiteten kirchenrechtlichen Verfahren endete ohne Sanktionen. Aus dem Klerikerstand entlassen wurden 41 Beschuldigte, 88 wurden exkommuniziert, also aus der kirchlichen Gemeinschaft ausgeschlossen.

Innerkirchliche Risikofaktoren, die die Wissenschaftler in der katholischen Kirche ausmachen: Sie raten dazu, den Klerikalismus zu überdenken, den sie „als das Bestreben, einer Religion über die religiös-geistige Einflusssphäre hinaus weltliche Macht zu verleihen und religiösen Dogmen politische Geltung und politisches Gewicht zu verschaffen“ zu überdenken. Auch solle über den Zölibat (die aus religiösen gewählte Ehelosigkeit der Priester) sowie die Einstellung der Kirche zur Homosexualität nachgedacht werden. (kna/Stand 25.09.2018)

Weitere Veränderungen – aber keine Rücktritte erwartet Weiterlesen

25.06.2017 – Epoch Times – Ist das Böse weiblich? Gerichts-Psychiaterin auf der Suche nach den „Schuldigen“

Verblüffende Einblicke bei der psychiatrischen Begutachtung von Verbrechen öffnen Hanna und Nora Ziegert in ihrem Buch „Die Schuldigen“. Sie nennen es einen Bericht über „Wahre Verbrechen. Echte Täterinnen. Und das, was sie menschlich macht.“

Von Roland R. Ropers / Gastautor
25. June 2017 Aktualisiert: 26. Juni 2017 0:01

Die 1953 in Berlin geborene Psychiaterin und Lehranalytikerin Dr. Hanna Ziegert arbeitet seit Jahrzehnten in eigener Praxis in München und als Gutachterin bei Gerichtsprozessen. Aus der Fülle ihrer empathischen Begegnungen mit Strafgefangenen hat sie gemeinsam mit ihrer Tochter Nora Ziegert, promovierte Juristin und angehende Notarin, ein Buch zusammengestellt, das dem Leser Einblick geben soll in das Leben von schicksalhaften Tätern und Opfern.

Hanna Ziegert: „Das Buch ist insofern etwas Besonderes, als wir es als Mutter und Tochter gemeinsam gestalten konnten. Wir finden es insbesondere spannend, dass wir in dieser Konstellation über die Destruktivität von Frauen berichten. Außerdem erzählt erstmals eine psychiatrische Gutachterin aus ihrem beruflichen Alltag.

Der Beitrag, den Frauen zu Verbrechen leisten, findet oft nicht ausreichend Beachtung. Unsere Gesellschaft mag vordergründig männer-dominiert sein – hintergründig ist sie männer-feindlich. Nicht nur im Umgang mit Straftätern wird deutlich, dass wir allzu oft Mann und Frau in bewährte Täter- und Opferrollen einordnen, ohne ihr Handeln im Einzelnen zu hinterfragen.“ Weiterlesen

05.09.2013 – Süddeutsche Zeitung – Nach Kritik kaltgestellt

5. September 2013, 15:04 Uhr
Gerichtsgutachterin in Bayern
Nach Kritik kaltgestellt

„Ich weiß nicht, ob ich mich jemals begutachten lassen würde.“ Hanna Ziegert hat sich bei „Beckmann“ zum Fall Gustl Mollath kritisch über die bayerische Justiz und die Vergabe forensischer Gutachten geäußert. Prompt wird sie in mehreren Verfahren als Gutachterin abgelehnt.

Von Hans Holzhaider

Weil sie sich in einer Fernsehsendung kritisch über die bayerische Justiz und die psychiatrische Begutachtung von Straftätern geäußert hat, muss die Münchner Psychiaterin Hanna Ziegert jetzt mit erheblichen beruflichen Problemen rechnen. Die Staatsanwaltschaft München I hat die Fachärztin, die seit mehr als 30 Jahren im ganzen Bundesgebiet als forensisch-psychiatrische Gutachterin tätig ist, in mehreren Verfahren „wegen Besorgnis der Befangenheit“ abgelehnt. Weiterlesen