24.04.2020 – GMX – Rache auf dem Rücken des Kindes: Das gefährliche Phänomen der Eltern-Kind-Entfremdung

Von Antonia Fuchs
Aktualisiert am 24. April 2020, 14:03 Uhr

Wenn sich die Eltern trennen, bricht für ein Kind meist eine Welt zusammen. Manche Eltern machen alles noch viel schlimmer: Sie bringen das Kind dazu, den anderen Elternteil zu hassen und nie wieder sehen zu wollen. So gefährlich sind die Folgen dieser sogenannten Eltern-Kind-Entfremdung.

Für manche Eltern ist die Coronakrise eine willkommene Gelegenheit. Etwa für solche, die unter dem Vorwand „Corona“ dem Ex-Partner den Umgang mit den gemeinsamen Kindern komplett verweigern.

Andere änderten eigenmächtig die Vereinbarungen, meldet der Interessenverband Unterhalt und Familienrecht in Nürnberg. Zahlreiche Anrufe verunsicherter Eltern gehen derzeit dort ein. Dabei ist die Regel klar: Elternteile, die ein Sorgerecht für ihre Kinder haben, dürfen diese besuchen.

Eltern manipulieren ihre Kinder

Was hier zutage tritt, ist auch jenseits von Corona keine Seltenheit: dass ein Elternteil den Kontakt des Kindes zum anderen Elternteil unterbinden will. Und noch schlimmer: „Es gibt Eltern, das erleben wir leider Gottes immer häufiger, die ihre Kinder gezielt manipulieren, bis diese nichts mehr mit dem anderen Elternteil zu tun haben wollen“, erklärt Jürgen Rudolph, ehemaliger Familienrichter und heute Rechtsanwalt.

Dieses Phänomen hat einen Namen: Wenn die einstige Liebe des Kindes zu einem Elternteil auf Betreiben des anderen Elternteils hin in Ablehnung oder Hass umschlägt, ist von einer Eltern-Kind-Entfremdung die Rede.

„Es sind viel zu viele Menschen, die in ihrer Kindheit davon betroffen sind“, bedauert Rudolph, der 30 Jahre als Familienrichter arbeitete und die Eltern-Kind-Entfremdung als Teil seiner täglichen Arbeit erlebte. „Und es sind sowohl Mütter wie Väter, die entfremden.“

In der Praxis sei die Zahl der Mütter zwar deutlich grösser. Das sei jedoch darauf zurückzuführen, dass der Entfremder fast immer das Elternteil sei, bei dem das Kind lebt. „Wer den Zugriff hat, hat die Macht“, sagt Rudolph. Und das ist laut der Studie „Getrennt gemeinsam erziehen“ meistens die Mutter:

  • Mehr als 3,7 Millionen Kinder und Erwachsene in Deutschland leben bei einem alleinerziehenden Elternteil, in 84 Prozent der Fälle bei der Mutter.

So häufig hat ein Elternteil nach der Trennung keinen Kontakt zum Kind:

  • Väter: 18 Prozent
  • Mütter: 3 Prozent

Filmreifer Stoff

Rudolph agierte kürzlich als juristischer Fachberater für den ARD-Film „Weil du mir gehörst“, der genau dieses Thema der Eltern-Kind-Entfremdung auf packende Weise aufgreift.

In einer der ersten Szenen spricht die kleine Anni mit dem Richter über ihren Vater: „Ich habe Angst vor ihm. Er ist jähzornig, stur und egoistisch, das weiss ich genau. Und er schlägt die Mama und mich auch. Ich hasse ihn. Ich will meinen Vater nicht mehr sehen – nie mehr, Ich wünschte, er wäre tot. Wenn Sie jetzt bestimmen, dass ich wieder zu ihm muss, bringe ich mich um.“

In der Rückblende erlebt der Zuschauer anschliessend, wie unbeschwert ihre Liebe zum Vater noch ein Jahr zuvor war – und wie es der Mutter auf perfide Weise gelang, dem Mädchen den Vater systematisch zu entfremden. Mit zahllosen Lügen, Intrigen und sogar einem Umzug, von dem der Vater nichts erfahren sollte. Wo Filme meist übertreiben, ist das nach Rudolphs Erfahrung hier nicht der Fall: „Dieser Streifen ist wie eine Blaupause.“

Rache und Angst als häufige Motive

Warum Eltern so etwas tun, erläuterte der Psychologe Stefan Rücker im TV-Talk zum Film: „Eltern, die hoch konfliktreich miteinander umgehen, verlieren schnell das Wohl des Kindes aus den Augen.“

Mögliche Motive des Entfremders seien:

  • Angst: „Man hat bereits den Partner verloren und befürchtet, nun auch noch das Kind zu verlieren.“
  • Rache: „Ich zahle es dir heim und mache die schmalen Schultern unserer gemeinsamen Kinder zum Austragungsort unseres Rosenkrieges. Ich will den Sieg davontragen, notfalls auf dem eigenen Trümmerfeld“, fasst Rücker zusammen und ergänzt: „Die gleichen Eltern beschwören aber auch, dass sie alles für ihre Kinder tun.“

Häufig seien bei den Entfremdern auch narzisstische Persönlichkeitsanteile oder Borderline-Erkrankungen zu beobachten.

Die Entfremdung vollziehe sich dann über verschiedene Stufen. „Am Anfang steht das tiefe Begehren, den anderen Elternteil irgendwie aus diesem Familienverbund auszuschliessen“, erklärt er. Weil das aber moralisch verwerflich sei, gerieten Entfremder in einen inneren Spannungszustand: „Um diese Spannung für mich aufzulösen, suche ich im zweiten Schritt nach Gründen, warum es richtig und wichtig ist, den anderen Elternteil auszuschliessen. Da wird die Vergangenheit verzerrt, und am Ende glaubt der Entfremder selbst an diese konstruierten Gründe.“

Verheerende Schäden für die Psyche des Kindes

Scharf abzugrenzen ist die Eltern-Kind-Entfremdung von Fällen, in denen der Kontaktabbruch triftige Gründe hat, wie etwa Gewalt gegen das Kind. Wo aber ein Elternteil letztlich grundlos den Ex-Partner aus dem Leben des Kindes verdammt, wirkt sich das fatal auf die psychische Gesundheit des Kindes aus.

Der amerikanische Kinder- und Jugendpsychologe Richard Gardner beschrieb dies in den 1980ern als „Parental Alienation Syndrome“ (elterliches Entfremdungssyndrom), kurz PAS.

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) nahm PAS zwar nicht als Krankheit in ihren diagnostischen und statistischen Leitfaden für psychische Störungen auf. Unumstritten ist aber, dass es diese Eltern-Kind-Entfremdung gibt. Rücker nennt sie „ein Verbrechen an der Seele von Schutzbefohlenen“ und zählt einige mögliche Folgen auf:

  • Traumatisierung
  • Störungen im Sozialverhalten
  • Depressionen
  • Angst, Panikattacken
  • Selbstverletzendes Verhalten
  • Suizidwünsche
  • Essstörungen
  • Beziehungsstörungen im Erwachsenenalter

„Die Störungen dauern vielfach über die gesamte Lebensspanne an, das muss man sehr ernst nehmen“, sagt er. Im Gegensatz zu Jungen, bei denen der Hilfebedarf öfter bemerkt würde, leiden Mädchen eher nach innen: „Eltern sind dann in der Annahme, dass das Kind die Trennung oder gar Entfremdung ganz gut verwindet.“ Dass dies nicht der Fall sei, zeige sich beispielsweise an Symptomen wie Bauch- oder Kopfschmerzen, die das Umfeld aber oft falsch deute.

Je länger die psychische Störung andauere, desto schwieriger sei es, den Leidensdruck therapeutisch zu vermindern: „Es muss also früh geschehen.“

Frühe Intervention könnte vieles verhindern

Früher eingreifen: Das war auch immer Rudolphs Ziel, der die Gerichtsstrukturen und die damit verbundene Hilflosigkeit des Systems anprangert.

16 Jahre lang erprobte und etablierte er ab 1992 im sogenannten „Cochemer Modell“ am Amtsgericht eine neue Zusammenarbeit: Richter, Mitarbeiter von Jugendämtern und Beratungsstellen, Psychologen und auch Anwälte vernetzten sich hier zu einer Kooperation, die ein Ziel hatte: „Das Wohl des Kindes – Eskalation und Streit vermeiden, damit dem Kind zu beiden Elternteilen eine gesunde Beziehung ermöglicht ist“, fasst Rudolph zusammen.

Dazu mussten sich die Eltern an einen Tisch setzen. „Wir führten ihnen auch vor Augen, was sie erwartet, wenn sie zu keiner Lösung kommen: Gerichtsverfahren bis zur Volljährigkeit des Kindes, viel Kummer – und das Kind wird auch nicht immer ihr Eigentum sein, wie sie vielleicht im Moment denken. Nach den ersten intensiven Emotionen aufgrund der Trennung waren viele hier bald zu konstruktiven Gesprächen bereit, die Kampfsituationen nahmen deutlich ab“, erinnert er sich.

Zudem wurde möglichst sofort interveniert – nicht erst nach Gutachten, die den Richtern teilweise erst nach Monaten verfügbar sind, wo etwa eine Eltern-Kind-Entfremdung schon längst viel zu weit fortgeschritten ist.

Nachdem er in den Ruhestand ging, lief das Modell jedoch aus, was Rudolph zutiefst bedauert. „Familien werden im Stich gelassen und das Kind leidet ganz besonders darunter.“

Ein Beispiel: „Die Sachverständigen arbeiten nach keinen einheitlichen Standards. Letztlich empfehlen sie sehr häufig – wie im Film ‚Weil du mir gehörst‘ – alles so zu lassen, wie es ist. Die Begründung: Man müsse ‚Ruhe reinbringen‘ in das Leben des Kindes. Sie stellen hier aber Weichen für Lebenswege – des Kindes, aber auch der Eltern. Der Richter beruft sich dann in seiner fatalen Entscheidung auf das Gutachten – der Gutachter aber sagt am Ende, er habe ja nicht das Urteil gefällt. Die Verantwortlichkeiten verflüchtigen sich.“

Juristische Ausbildung alleine reicht nicht

Auch müssten aus Rudolphs Sicht sämtliche Professionen, die mit Familienkonflikten befasst sind, über Grundkriterien aus der Erfahrung der Familienpsychologie informiert werden. Also Familienrichter und -anwälte, Jugendämter und Beratungsstellen, forensische Sachverständige.

„In den ersten Jahren meiner richterlichen Tätigkeit hätte ich an Annis Worten nicht erkannt, dass hier eine eindeutige Eltern-Kind-Entfremdung vorliegt“, sagt er.

Typische Anzeichen seien:

  • Betroffene Kinder übernehmen die Worte der Mutter bzw. des Vaters, sprechen nicht altersgemäss.
  • Die Begründungen sind irrational – die Kinder können gar nicht genau benennen, warum sie den Vater/die Mutter nicht mehr sehen möchten. „Darum“, lautet dann oft die Antwort.
  • Das Kind nennt Argumente, die es übernommen hat, zum Beispiel: „Mein Vater war nicht mal bei meiner Geburt dabei.“

Dass der Entfremder aus Bösartigkeit handelte, glaubte Rudolph in den allermeisten Fällen, die er miterlebte, übrigens nicht: „Sie sind tatsächlich überzeugt, dass sie das Richtige tun.“ Für umso grösser hält er daher die Chance, den Blick solcher Eltern auf das wahre Wohl des Kindes zu lenken: „Doch dies funktioniert eben nur, wenn die dafür vorgesehenen Institutionen und Berater ganz früh intervenieren.“

Hinweis:

Der Film „Weil du mir gehörst“ ist noch bis 16. Mai 2020 in der Mediathek von Das Erste verfügbar.

Über den Experten:

Jürgen Rudolph war von 1999 bis 2008 Familienrichter am Amtsgericht Cochem in Rheinland-Pfalz, ist Initiator des „Cochemer Modells“ und Autor des Buches „Du bist mein Kind“ (Schwarzkopf & Schwarzkopf, 2007). Seit 2009 arbeitet er als Rechtsanwalt sowie als Dozent und wirkt mit an wissenschaftlichen Dokumentationsprojekten zum Thema Umgang mit dem Familienkonflikt.

Verwendete Quellen:

Quelle: GMX – https://www.gmx.ch/magazine/ratgeber/kind-familie/rache-ruecken-kindes-gefaehrliche-phaenomen-eltern-kind-entfremdung-34603046

27.10.2018 – Rubikon – Die Pseudo-Liebe

Samstag, 27. Oktober 2018, 15:58 Uhr
~15 Minuten Lesezeit
Die Pseudo-Liebe
Eine Stellungnahme von Franz Ruppert zum allseits gelobten Dokumentarfilm „Elternschule“.

Von Franz Ruppert

Viele Eltern sind traumatisiert und wissen es nicht. So projizieren sie ihre eigenen Traumata auf ihre Kinder, während sie glauben, ihre Kinder seien schwer erziehbar und bräuchten mehr Grenzen und eine strengere Erziehung. Der Teufelskreis der Traumatisierung geht von Generation zu Generation in die nächste Runde. Wie können wir ihm entkommen?

Ich bin gebeten worden, eine Stellungnahme zum Dokumentarfilm „Elternschule“ von Jörg Adolph und Ralf Bücheler zu verfassen. Für mich ist dieser Film ein weiteres Symptom für eine Gesellschaft, die ihre Mitglieder schon früh traumatisiert, diese Traumatisierungen systematisch ignoriert und sich dann mit hohem Aufwand und viel Eifer an der Bekämpfung von Psychotrauma-Folgesymptomen abarbeitet.

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02.10.2017 – Deutschlandfunk – Wenn Scheidungskinder erwachsen sind „Meine größte Angst ist, dass mir das auch passiert“

Zeitfragen | Beitrag vom 02.10.2017
Wenn Scheidungskinder erwachsen sind“

Meine größte Angst ist, dass mir das auch passiert“

Von Teresa Sickert

Welche Spuren hinterlässt eine Trennungserfahrung im Elternhaus bei den Kindern? Drei inzwischen erwachsene Scheidungskinder sprechen über ihre Einstellungen und Ängste zu Liebe und Partnerschaft. Eine Erkenntnis: Die Trennung der Eltern gehört zu den prägendsten Erfahrungen im Leben.

„Als meine Eltern sich getrennt haben, war ich 17, das war 1998 und das war tatsächlich eher eine schmutzige Angelegenheit, würde man glaube ich sagen.“

Sebastian Ebel [1] ist ein Nachscheidungskind. So bezeichnet man Kinder, die die Scheidung ihrer Eltern bereits durchlebt haben.

„Die Trennung als solche war fast eher ne Erleichterung. Eher so, dass ich gedacht habe: Jetzt endlich macht ihr’s mal, wird ja jetzt auch mal Zeit.“

1998, also in dem Jahr in dem sich Ebels Eltern trennten, sind 157 Tausend Minderjährige von einer Scheidung betroffen. Die Scheidungsrate in Deutschland geht in den folgenden Jahren einem historischen Höchststand entgegen.

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27.06.2017 – Presseportal – Achtsamkeitsstudie 2017: Kommen unsere Kinder zu kurz?

Bayer Vital GmbH
Achtsamkeitsstudie 2017: Kommen unsere Kinder zu kurz?

Bepanthen-Kinderförderung und Universität Bielefeld veröffentlichen neue Studie zum Thema Achtsamkeit

27.06.2017 – 15:00

Leverkusen (ots) –

  • Aktuelle Studie der Bepanthen-Kinderförderung belegt: Mangelnde
    Achtsamkeit kann gravierende Folgen für die Entwicklung des
    Kindes haben.
  • Schirmherrin Katia Saalfrank fordert mehr Dialog statt Monolog
    in der Erziehung.
  • Bepanthen-Kinderförderung schult Kinder und deren Eltern zum
    Thema Achtsamkeit.

Wenn über Achtsamkeit gesprochen wird, ist damit meist die Wahrnehmung der eigenen Praktiken, Emotionen und Bedürfnisse gemeint – also die Aufmerksamkeit sich selbst gegenüber. Doch wie steht es um die Achtsamkeit in Bezug auf die Menschen, die einem am nächsten stehen, die eigene Familie?

Die aktuelle Studie „Achtsamkeit in Deutschland: Kommen unsere Kinder zu kurz?“ wurde von der Universität Bielefeld im Auftrag der Bepanthen-Kinderförderung durchgeführt. Prof. Dr. Holger Ziegler, Sozialpädagoge und Studienleiter, hat untersucht, wie die Achtsamkeit der Eltern von Kindern (6 bis 11 Jahre) und Jugendlichen (12 bis 16 Jahre) empfunden wird und welche Auswirkungen das Fehlen von Beachtung haben kann. Weiterlesen

28.03.2015 – NZZ – Neues Unterhaltsrecht Der gleichgestellte Vater

Neues Unterhaltsrecht
Der gleichgestellte Vater
Kommentar von Seraina Kobler
28.3.2015, 07:00 Uhr

Auch Männer in der Schweiz könnten in Zukunft nach einer Trennung gute Chancen haben, ihr Kind mit zu betreuen. Nun liegt es an den Gerichten, das revidierte Unterhaltsrecht weiterzuentwickeln.

Ein Kommentar von Seraina Kobler

Erfreulich ist, dass sich die meisten Eltern gar nicht streiten. Für sie wird sich auch mit dem revidierten Unterhaltsrecht nichts ändern. Wer aber den Staat braucht, um sein Privatleben nach einer Trennung oder Scheidung zu regeln, der wird sich auch in Zukunft streiten – und das nicht zu knapp. Denn neu werden Mütter und Väter nicht nur um die Höhe des Unterhalts für das Kind kämpfen, sondern auch darum, wer wie viel betreuen darf. Und das ist gut so.

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18.02.2011 – Hamburger Abendblatt – Wahnsinnige Liebe – droht eine Borderline-Gesellschaft?

18.02.11
Psychische Krankheiten
Wahnsinnige Liebe – droht eine Borderline-Gesellschaft?

Anton verliebt sich in Claudia aus Hamburg, sie soll die Richtige sein. Sie ist jedoch eine von immer mehr Deutschen mit psychischen Krankheiten.

Von Alexander Schuller

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11.02.2015 – Radio Vatikan – Generalaudienz: Kinder sind kein Besitz der Eltern

Papst Franziskus \ Audienzen & Angelus
Generalaudienz: Kinder sind kein Besitz der Eltern

Kinder sind ein Geschenk, kein Problem der Reproduktionsbiologie, und auch kein Mittel zur Selbstverwirklichung. Das hat Papst Franziskus bei der Generalaudienz gesagt. In seiner Katechesenreihe zur Familie ging der Papst in dieser Woche vom Thema der Elternschaft auf das der Nachkommenschaft über.

„Kinder sind kein Besitz der Eltern. Kinder sind ein Geschenk“, sagte Franziskus. Jedes sei „einzigartig und unwiederholbar und zugleich unverwechselbar mit seinen Wurzeln verbunden.“ Wenn seine eigene Mutter, erzählte der Papst, gefragt worden sei, welches ihrer fünf Kinder sie am liebsten habe, habe sie geantwortet: „Nun, sie sind fünf, wie die fünf Finger einer Hand. Wenn man den Daumen schlägt, tut es weh. Wenn man den Zeigefinger schlägt, tut es auch weh… alle sind meine Kinder, aber alle sind verschieden wie die Finger einer Hand.“

Ein Kind werde geliebt, weil es Kind sei, nicht etwa, „weil es schön, gesund, lieb ist; nicht, weil es meine Ansichten hat und meine Wünsche verkörpert. Ein Kind ist ein Kind: ein Leben, das von uns hervorgebracht ist, aber ihm selbst gehört, zu seinem Wohl, zum Wohl der Familie, der Gesellschaft, der ganzen Menschheit.“

Die Erfahrung, selbst alle Söhne und Töchter zu sein, öffnet auch die Augen für die Größe Gottes und seine Liebe, fuhr der Papst fort. „Es ist die Schönheit, zuerst geliebt zu sein: bevor wir noch irgendetwas getan haben, diese Liebe zu verdienen, bevor wir sprechen oder denken können, sogar bevor wir zur Welt kommen!“ Sehr oft treffe er werdende Mütter, die ihn um einen Segen für ihre Ungeborenen bitten, sagte Franziskus. Das sei geradezu ein Abbild der Liebe Gottes, dessen Liebe immer schon vorher da sein.

Die Söhne und Töchter dürfen heute keine Angst vor der Verpflichtung haben, eine neue Welt zu bauen. Es sei auch richtig, ihnen zu wünschen, dass die Welt von morgen besser als die heutige ist, so der Papst. „Das muss aber ohne Arroganz und hohe Ansprüche geschehen.“

Zur Beziehung zwischen Eltern und Kindern erinnerte der Papst an das vierte Gebot: Du sollst Vater und Mutter ehren. Dieses Gebot komme nach den drei, die Gott betreffen. „Tatsächlich hat das etwas Heiliges, etwas Göttliches, etwas, das am Ursprung jeder anderen Art von Respekt zwischen den Menschen steht“. Eine Gesellschaft von Söhnen und Töchtern, die ihre Eltern nicht ehrten, sei „eine Gesellschaft ohne Ehre“, die gierige Jugendliche hervorbringen werde, formuliert Franziskus.

Nochmals kam Franziskus auf große Familien zu sprechen. Viele Kinder zu haben, sei „nicht automatisch eine unverantwortliche Entscheidung“, sagte Franziskus; er spielte damit auf die Diskussion um eine frühere Aussage von ihm an, wonach Katholiken sich „nicht wie die Karnickel“ zu vermehren bräuchten und die Zahl von drei Kindern pro Familie ideal sei. „Das Leben verjüngt sich und erhält neue Energie, indem es sich vermehrt: es wird reicher, nicht ärmer!“ Umgekehrt sei gewollte Kinderlosigkeit, wie sie mitunter in Europa zutage trete, eine Geste des Egoismus. Eine Gesellschaft, in der es keine Kinder gebe, weil diese „vor allem als Sorge, Last und Risiko“ gesehen würden, nannte der Papst „trübselig“.

An der Audienz nahm eine große Gruppe Pilger aus dem Burgenland unter ihrem Bischof Ägidius Zsifkovics teil. Zum katholischen Weltkrankentag appellierte Papst Franziskus an Jugendliche, sich mehr um hilfsbedürftige Menschen zu kümmern. „Seid Auge für den Blinden und Fuß für den Lahmen“, rief ihnen der Papst zu. Zugleich wandte er sich an alle Kranken mit den Worten: „Liebe Kranke, fühlt euch stets unterstützt vom Gebet der Kirche“.

(rv 11.02.2015 gs)

Quelle: Radio Vatikan – http://de.radiovaticana.va/news/2015/02/11/generalaudienz_kinder_sind_kein_besitz_der_eltern/1122735

21.12.2014 – NOZ – Blaue Weihnachtsmänner: Kinder brauchen beide Eltern!

Verein appelliert in Osnabrück
Blaue Weihnachtsmänner: Kinder brauchen beide Eltern!

Farbtupfer im samtroten Weihnachtsmann-Einerlei: (von links) Markus Strickling, Doris Spellmeyer, Roswita Wirschun, Ellen Kuhröber und Günter Steffans vom Verein „Väteraufbruch für Kinder“ am Samstag vor dem Osnabrücker Dom. Ihre Botschaft: Kinder brauchen beide Eltern! Foto: Egmont Seiler

Osnabrück. Laut dem Verein „Väteraufbruch für Kinder“ müssen jedes Jahr zwei Millionen Scheidungs- und Trennungskinder in Deutschland Weihnachten ohne ihren Vater feiern – oft, weil die Mutter den Kontakt verhindert. Über diesen Missstand informierten nun Mitglieder und Sympathisanten des Vereins auf dem Osnabrücker Weihnachtsmarkt. Dazu wählten sie eine saisontypische, aber dennoch auffällige Verkleidung.

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19.11.2013 – Spiegel – Gewalt unter jugendlichen Paaren: Verliebt, verletzt, verzweifelt

Sie fühlen sich bedroht, genötigt, bedrängt: Statt einfach nur verliebt zu sein, erleben erschreckend viele Jugendliche in ihrer ersten Beziehung schon Gewalt. Darauf deutet eine aktuelle Studie hin. Forscher fordern, Jungen und Mädchen besser auf die erste Liebe vorzubereiten.

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24.04.2014 – Zeit Online – Scheidungskinder: Glück. Gehabt

Scheidungskinder
Glück. Gehabt

Die Scheidungskinder der siebziger Jahre haben heute selbst Familie. Machen sie es besser als ihre Eltern?

von Matthias Kalle und Tanja Stelzer

Meistens klingt es nach Verständnis, manchmal nach später Bestätigung, immer nach Resignation. „Er ist halt ein Scheidungskind“, „Sie hatte ja nie eine richtige Familie“ – wie oft hören wir solche Erklärungen, wenn sich ein Paar aus unserem Freundeskreis trennt. „Scheidungskind“, dieses Wort scheint zu erklären, warum es unmöglich ist, mit diesem Menschen eine Beziehung zu führen. Weil er nie das Streiten gelernt hat. Weil er Konflikte vermeidet, keine Gefühle zeigen kann. Weil der Platz zwischen den Stühlen seiner ist. Weil er nicht weiß, wie Ehe funktioniert.

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