14.10.2020 – SWR – Bayerische Fernsehpreise für Katrin Bühlig und Felix Klare

Ausgezeichnet
Bayerische Fernsehpreise für Katrin Bühlig und Felix Klare

Für den SWR Film „Weil du mir gehörst“ mit dem Blauen Panther ausgezeichnet

Doppelte Freude beim Team des SWR Films „Weil du mir gehörst“: Bei der Verleihung des Bayerischen Fernsehpreises 2020 heute Vormittag (14. Oktober) durch Digitalministerin Judith Gerlach in München wurden Autorin Katrin Bühlig und Hauptdarsteller Felix Klare mit dem Blauen Panther geehrt. Der aufwühlende Fernsehfilm, in dessen Zentrum die Entfremdung eines Kindes von seinem Vater steht, löste bei seiner Ausstrahlung im Februar 2020 großes Publikumsecho aus. Produziert wurde der Film von der FFP New Media im Auftrag des SWR.

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11.05.2020 – LTO – BGH zur Vaterschaftsanfechtung: Das Recht der Mutter reicht weit

Erst heiratet sie – von einem anderen Mann schwanger – ihn, dann ficht sie die Vaterschaft an: Das wollte ein Mann aus Bayern nicht mit sich machen lassen. Doch der BGH gab nun der Mutter Recht.

Die Mutter eines Kindes hat grundsätzlich das Recht, nachträglich die Vaterschaft anzufechten. Daran ändert sich auch dann nichts, wenn sie den Mann schwanger geheiratet hat und beide von vornherein wussten, dass das Kind nicht von ihm ist. Das hat der Bundesgerichtshof (BGH) entschieden (Beschl. v. 18.3.2020, Az.: XII ZB 321/19).

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24.04.2020 – GMX – Rache auf dem Rücken des Kindes: Das gefährliche Phänomen der Eltern-Kind-Entfremdung

Von Antonia Fuchs
Aktualisiert am 24. April 2020, 14:03 Uhr

Wenn sich die Eltern trennen, bricht für ein Kind meist eine Welt zusammen. Manche Eltern machen alles noch viel schlimmer: Sie bringen das Kind dazu, den anderen Elternteil zu hassen und nie wieder sehen zu wollen. So gefährlich sind die Folgen dieser sogenannten Eltern-Kind-Entfremdung.

Für manche Eltern ist die Coronakrise eine willkommene Gelegenheit. Etwa für solche, die unter dem Vorwand „Corona“ dem Ex-Partner den Umgang mit den gemeinsamen Kindern komplett verweigern.

Andere änderten eigenmächtig die Vereinbarungen, meldet der Interessenverband Unterhalt und Familienrecht in Nürnberg. Zahlreiche Anrufe verunsicherter Eltern gehen derzeit dort ein. Dabei ist die Regel klar: Elternteile, die ein Sorgerecht für ihre Kinder haben, dürfen diese besuchen.

Eltern manipulieren ihre Kinder

Was hier zutage tritt, ist auch jenseits von Corona keine Seltenheit: dass ein Elternteil den Kontakt des Kindes zum anderen Elternteil unterbinden will. Und noch schlimmer: „Es gibt Eltern, das erleben wir leider Gottes immer häufiger, die ihre Kinder gezielt manipulieren, bis diese nichts mehr mit dem anderen Elternteil zu tun haben wollen“, erklärt Jürgen Rudolph, ehemaliger Familienrichter und heute Rechtsanwalt.

Dieses Phänomen hat einen Namen: Wenn die einstige Liebe des Kindes zu einem Elternteil auf Betreiben des anderen Elternteils hin in Ablehnung oder Hass umschlägt, ist von einer Eltern-Kind-Entfremdung die Rede.

„Es sind viel zu viele Menschen, die in ihrer Kindheit davon betroffen sind“, bedauert Rudolph, der 30 Jahre als Familienrichter arbeitete und die Eltern-Kind-Entfremdung als Teil seiner täglichen Arbeit erlebte. „Und es sind sowohl Mütter wie Väter, die entfremden.“

In der Praxis sei die Zahl der Mütter zwar deutlich grösser. Das sei jedoch darauf zurückzuführen, dass der Entfremder fast immer das Elternteil sei, bei dem das Kind lebt. „Wer den Zugriff hat, hat die Macht“, sagt Rudolph. Und das ist laut der Studie „Getrennt gemeinsam erziehen“ meistens die Mutter:

  • Mehr als 3,7 Millionen Kinder und Erwachsene in Deutschland leben bei einem alleinerziehenden Elternteil, in 84 Prozent der Fälle bei der Mutter.

So häufig hat ein Elternteil nach der Trennung keinen Kontakt zum Kind:

  • Väter: 18 Prozent
  • Mütter: 3 Prozent

Filmreifer Stoff

Rudolph agierte kürzlich als juristischer Fachberater für den ARD-Film „Weil du mir gehörst“, der genau dieses Thema der Eltern-Kind-Entfremdung auf packende Weise aufgreift.

In einer der ersten Szenen spricht die kleine Anni mit dem Richter über ihren Vater: „Ich habe Angst vor ihm. Er ist jähzornig, stur und egoistisch, das weiss ich genau. Und er schlägt die Mama und mich auch. Ich hasse ihn. Ich will meinen Vater nicht mehr sehen – nie mehr, Ich wünschte, er wäre tot. Wenn Sie jetzt bestimmen, dass ich wieder zu ihm muss, bringe ich mich um.“

In der Rückblende erlebt der Zuschauer anschliessend, wie unbeschwert ihre Liebe zum Vater noch ein Jahr zuvor war – und wie es der Mutter auf perfide Weise gelang, dem Mädchen den Vater systematisch zu entfremden. Mit zahllosen Lügen, Intrigen und sogar einem Umzug, von dem der Vater nichts erfahren sollte. Wo Filme meist übertreiben, ist das nach Rudolphs Erfahrung hier nicht der Fall: „Dieser Streifen ist wie eine Blaupause.“

Rache und Angst als häufige Motive

Warum Eltern so etwas tun, erläuterte der Psychologe Stefan Rücker im TV-Talk zum Film: „Eltern, die hoch konfliktreich miteinander umgehen, verlieren schnell das Wohl des Kindes aus den Augen.“

Mögliche Motive des Entfremders seien:

  • Angst: „Man hat bereits den Partner verloren und befürchtet, nun auch noch das Kind zu verlieren.“
  • Rache: „Ich zahle es dir heim und mache die schmalen Schultern unserer gemeinsamen Kinder zum Austragungsort unseres Rosenkrieges. Ich will den Sieg davontragen, notfalls auf dem eigenen Trümmerfeld“, fasst Rücker zusammen und ergänzt: „Die gleichen Eltern beschwören aber auch, dass sie alles für ihre Kinder tun.“

Häufig seien bei den Entfremdern auch narzisstische Persönlichkeitsanteile oder Borderline-Erkrankungen zu beobachten.

Die Entfremdung vollziehe sich dann über verschiedene Stufen. „Am Anfang steht das tiefe Begehren, den anderen Elternteil irgendwie aus diesem Familienverbund auszuschliessen“, erklärt er. Weil das aber moralisch verwerflich sei, gerieten Entfremder in einen inneren Spannungszustand: „Um diese Spannung für mich aufzulösen, suche ich im zweiten Schritt nach Gründen, warum es richtig und wichtig ist, den anderen Elternteil auszuschliessen. Da wird die Vergangenheit verzerrt, und am Ende glaubt der Entfremder selbst an diese konstruierten Gründe.“

Verheerende Schäden für die Psyche des Kindes

Scharf abzugrenzen ist die Eltern-Kind-Entfremdung von Fällen, in denen der Kontaktabbruch triftige Gründe hat, wie etwa Gewalt gegen das Kind. Wo aber ein Elternteil letztlich grundlos den Ex-Partner aus dem Leben des Kindes verdammt, wirkt sich das fatal auf die psychische Gesundheit des Kindes aus.

Der amerikanische Kinder- und Jugendpsychologe Richard Gardner beschrieb dies in den 1980ern als „Parental Alienation Syndrome“ (elterliches Entfremdungssyndrom), kurz PAS.

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) nahm PAS zwar nicht als Krankheit in ihren diagnostischen und statistischen Leitfaden für psychische Störungen auf. Unumstritten ist aber, dass es diese Eltern-Kind-Entfremdung gibt. Rücker nennt sie „ein Verbrechen an der Seele von Schutzbefohlenen“ und zählt einige mögliche Folgen auf:

  • Traumatisierung
  • Störungen im Sozialverhalten
  • Depressionen
  • Angst, Panikattacken
  • Selbstverletzendes Verhalten
  • Suizidwünsche
  • Essstörungen
  • Beziehungsstörungen im Erwachsenenalter

„Die Störungen dauern vielfach über die gesamte Lebensspanne an, das muss man sehr ernst nehmen“, sagt er. Im Gegensatz zu Jungen, bei denen der Hilfebedarf öfter bemerkt würde, leiden Mädchen eher nach innen: „Eltern sind dann in der Annahme, dass das Kind die Trennung oder gar Entfremdung ganz gut verwindet.“ Dass dies nicht der Fall sei, zeige sich beispielsweise an Symptomen wie Bauch- oder Kopfschmerzen, die das Umfeld aber oft falsch deute.

Je länger die psychische Störung andauere, desto schwieriger sei es, den Leidensdruck therapeutisch zu vermindern: „Es muss also früh geschehen.“

Frühe Intervention könnte vieles verhindern

Früher eingreifen: Das war auch immer Rudolphs Ziel, der die Gerichtsstrukturen und die damit verbundene Hilflosigkeit des Systems anprangert.

16 Jahre lang erprobte und etablierte er ab 1992 im sogenannten „Cochemer Modell“ am Amtsgericht eine neue Zusammenarbeit: Richter, Mitarbeiter von Jugendämtern und Beratungsstellen, Psychologen und auch Anwälte vernetzten sich hier zu einer Kooperation, die ein Ziel hatte: „Das Wohl des Kindes – Eskalation und Streit vermeiden, damit dem Kind zu beiden Elternteilen eine gesunde Beziehung ermöglicht ist“, fasst Rudolph zusammen.

Dazu mussten sich die Eltern an einen Tisch setzen. „Wir führten ihnen auch vor Augen, was sie erwartet, wenn sie zu keiner Lösung kommen: Gerichtsverfahren bis zur Volljährigkeit des Kindes, viel Kummer – und das Kind wird auch nicht immer ihr Eigentum sein, wie sie vielleicht im Moment denken. Nach den ersten intensiven Emotionen aufgrund der Trennung waren viele hier bald zu konstruktiven Gesprächen bereit, die Kampfsituationen nahmen deutlich ab“, erinnert er sich.

Zudem wurde möglichst sofort interveniert – nicht erst nach Gutachten, die den Richtern teilweise erst nach Monaten verfügbar sind, wo etwa eine Eltern-Kind-Entfremdung schon längst viel zu weit fortgeschritten ist.

Nachdem er in den Ruhestand ging, lief das Modell jedoch aus, was Rudolph zutiefst bedauert. „Familien werden im Stich gelassen und das Kind leidet ganz besonders darunter.“

Ein Beispiel: „Die Sachverständigen arbeiten nach keinen einheitlichen Standards. Letztlich empfehlen sie sehr häufig – wie im Film ‚Weil du mir gehörst‘ – alles so zu lassen, wie es ist. Die Begründung: Man müsse ‚Ruhe reinbringen‘ in das Leben des Kindes. Sie stellen hier aber Weichen für Lebenswege – des Kindes, aber auch der Eltern. Der Richter beruft sich dann in seiner fatalen Entscheidung auf das Gutachten – der Gutachter aber sagt am Ende, er habe ja nicht das Urteil gefällt. Die Verantwortlichkeiten verflüchtigen sich.“

Juristische Ausbildung alleine reicht nicht

Auch müssten aus Rudolphs Sicht sämtliche Professionen, die mit Familienkonflikten befasst sind, über Grundkriterien aus der Erfahrung der Familienpsychologie informiert werden. Also Familienrichter und -anwälte, Jugendämter und Beratungsstellen, forensische Sachverständige.

„In den ersten Jahren meiner richterlichen Tätigkeit hätte ich an Annis Worten nicht erkannt, dass hier eine eindeutige Eltern-Kind-Entfremdung vorliegt“, sagt er.

Typische Anzeichen seien:

  • Betroffene Kinder übernehmen die Worte der Mutter bzw. des Vaters, sprechen nicht altersgemäss.
  • Die Begründungen sind irrational – die Kinder können gar nicht genau benennen, warum sie den Vater/die Mutter nicht mehr sehen möchten. „Darum“, lautet dann oft die Antwort.
  • Das Kind nennt Argumente, die es übernommen hat, zum Beispiel: „Mein Vater war nicht mal bei meiner Geburt dabei.“

Dass der Entfremder aus Bösartigkeit handelte, glaubte Rudolph in den allermeisten Fällen, die er miterlebte, übrigens nicht: „Sie sind tatsächlich überzeugt, dass sie das Richtige tun.“ Für umso grösser hält er daher die Chance, den Blick solcher Eltern auf das wahre Wohl des Kindes zu lenken: „Doch dies funktioniert eben nur, wenn die dafür vorgesehenen Institutionen und Berater ganz früh intervenieren.“

Hinweis:

Der Film „Weil du mir gehörst“ ist noch bis 16. Mai 2020 in der Mediathek von Das Erste verfügbar.

Über den Experten:

Jürgen Rudolph war von 1999 bis 2008 Familienrichter am Amtsgericht Cochem in Rheinland-Pfalz, ist Initiator des „Cochemer Modells“ und Autor des Buches „Du bist mein Kind“ (Schwarzkopf & Schwarzkopf, 2007). Seit 2009 arbeitet er als Rechtsanwalt sowie als Dozent und wirkt mit an wissenschaftlichen Dokumentationsprojekten zum Thema Umgang mit dem Familienkonflikt.

Verwendete Quellen:

Quelle: GMX – https://www.gmx.ch/magazine/ratgeber/kind-familie/rache-ruecken-kindes-gefaehrliche-phaenomen-eltern-kind-entfremdung-34603046

11.02.2015 – FAZ – Der größte Fehler seines Lebens

Jugendamt-Odyssee: Der größte Fehler seines Lebens

Von Katrin Hummel

Ein Vater kämpft um seine Tochter. Gegen seine frühere Frau, die das Kind gegen ihn aufhetzt, gegen das Jugendamt, das falsche Behauptungen verbreitet. Eine Geschichte über die Allmacht der Ämter.

Dies ist eine Geschichte über die Allmacht der Jugendämter und das Ausgeliefertsein der Eltern. Eine wahre Geschichte, die zeigt, was passieren kann, wenn ein Elternteil bei Mitarbeitern des Jugendamts in Ungnade fällt. Eine Geschichte darüber, wie Jugendamtsmitarbeiter ihre Macht missbrauchen und ihren ursprünglichen Auftrag aus dem Blick verlieren können, der lautet, Kinder zu schützen und für sie da zu sein.

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01.10.2019 – Männerservice – Männerservice-Report #171: Reihenweise bittere, rote Pillen

Reihenweise bittere, rote Pillen

Kennen Sie die «Rote Pille»? Davon geben wir an diesem Sonntag Fritz Weiss* zu schlucken, reihenweise, schön eine nach der anderen.

Die Erste hat er schon verabreicht bekommen, am Donnerstag Abend vorher: Dieser Mann wurde aus seinem Haus weg gewiesen. Er kann anhand des Polizeiprotokolls belegen: Er war nicht gewalttätig. Seine Frau Stefanie* hat behauptet, dass er sie bedroht habe. Er beschwört: Stefanie lügt!

Was kann er tun, welche Rechte hat er? Aus langjähriger Erfahrung wissen wir: Wer so fragt, braucht eine langsame, schrittweise, aber schonungslose Einführung in eine andere Welt, in der er jetzt gerade erwacht. «Die Rote Pille», so nannte eine ehemalige Feministin ihre Filmdokumentation, die ihr während des Drehs eine schockierende Welt eröffnete, in der sie sich selbst wiederfand, als sie nach und nach die Realität entdeckte. Solche Rote Pillen verabreichen wir Fritz, und zwar mehrere:

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14.12.2015 – Süddeutsche Zeitung – In fremden Händen

14. Dezember 2015 Aus Heft 50/2015 Familie

In fremden Händen

Jugendämter greifen zunehmend in Familien ein und bringen Kinder in Heimen oder Pflegefamilien unter. Manche Entscheidungen der Ämter sind verheerend – und wer einmal in die Mühlen geraten ist, kommt so leicht nicht mehr heraus. Sechs Leidensgeschichten.

Von Katrin Langhans und Rainer Stadler

In Deutschland gibt es rund 600 Jugendämter. Sie sind kommunale Behörden und sollen sicherstellen, dass Kinder geborgen und gesund aufwachsen. Sie planen Spielplätze, sie beraten Jugendliche, die sich beim Einstieg ins Berufsleben schwertun, sie unterstützen Eltern bei der Erziehung. Das Jugendamt soll aber nicht nur helfen, sondern auch kontrollieren, dass Kinder in ihren Familien nicht vernachlässigt oder misshandelt werden. Andernfalls kann es eine Inobhutnahme verfügen: Das Kind wird aus seiner Familie genommen und in einer Pflegefamilie oder einem Heim untergebracht. Die Zahl der Kinder, die Jugendämter aus ihren Familien nehmen, steigt: Vor zehn Jahren waren es rund 25 000 Kinder, vergangenes Jahr fast 50 000. In der Öffentlichkeit wird diese Entwicklung oft damit erklärt, dass Eltern mit ihrer Erziehungsaufgabe zunehmend überfordert seien. Es gibt aber Fälle, die eher den Verdacht nähren, dass ein Apparat außer Kontrolle geraten ist: dass Familien, die vielleicht Hilfe bräuchten, mit staatlicher Gewalt schikaniert und auseinandergerissen werden – mit wenig Rücksicht auf Gesetze und auf das Gut, das eigentlich über allem steht: das Kindeswohl.

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15.05.2019 – Aargauer Zeitung – Familienrichter: „Manipulierte Kinder übernehmen die Sicht ihrer Mutter“

Entfremdung
Familienrichter: «Manipulierte Kinder übernehmen die Sicht ihrer Mutter»
von Anita Zulauf – wireltern.ch
Zuletzt aktualisiert am 15.5.2019 um 13:03 Uhr

Bruno Roelli hat sich als Familienrichter im Kanton Luzern für das Recht der Kinder auf beide Eltern eingesetzt. Im Interview erzählt er aus der Praxis.

Herr Roelli, Sie waren über 30 Jahre Familienrichter im Kanton Luzern. Haben Sie viele Entfremdungsgeschichten erlebt?

Bruno Roelli: Leider ja. Es sind traurige Geschichten. Die Entfremdungsthematik begann in den Achtzigerjahren mit der Zunahme der Scheidungsverfahren. Aber ich kann mir auch vorstellen, dass mit den 68er-Jahren und der Erosion der Glaubwürdigkeit der staatlichen Instanzen Gerichte an Autorität zu verlieren begannen. Deshalb der gefährliche Weg zur Selbstjustiz. Als Kampfmittel wurden dann immer mehr auch Missbrauchsvorwürfe eingesetzt.

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23.12.2018 – Schwäbische Zeitung – Wenn Kinder bei einer Trennung zur Waffe werden

Wenn Kinder bei einer Trennung zur Waffe werden
Kinder leiden, wenn die Familie auseinanderbricht und die Verbindung zu einem Elternteil abgeschnitten wird.
23. Dezember 2018
Simone Haefele, Redakteurin

Die dunklen Augen der zierlichen hübschen Frau füllen sich mit Wasser, als das Gespräch auf das nahende Weihnachtsfest kommt. Doch in dem Ravensburger Café sitzen an diesem Nachmittag viele andere Gäste. Sie reißt sich also zusammen, will nicht in Tränen ausbrechen, sagt nur leise: „Ich darf gar nicht daran denken.“ Vermutlich wird das kommende das erste Weihnachten sein, das sie ohne ihren 13-jährigen Sohn feiern muss. Und das, obwohl der Junge nur ein paar Straßen weiter wohnt – beim Vater.

Doch seit ein paar Monaten hat sie so gut wie keinen Kontakt mehr zu ihm. Nach einem Streit mit der Mutter hat der 13-Jährige seinen Rucksack gepackt und ist zu seinem Vater gezogen. Na ja – die Überreaktion eines Pubertierenden halt, möchte man meinen. Doch der Junge entfernt sich in den kommenden Wochen immer mehr von seiner Mutter, die vermutet, dass der Vater einen Keil zwischen ihr und den Sohn treiben will. Die Folgen sind gravierend, nicht nur für die Mutter. In solchen Fällen leiden nämlich vor allem die Kinder – oft ihr Leben lang.

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14.06.2016 – Kleine Zeitung – Weil Kind nicht bei Vater war: Beugestrafe für Mutter

Gericht
Weil Kind nicht bei Vater war: Beugestrafe für Mutter

Gericht wirft Frau aus Kärnten vor, das Besuchsrecht zwischen Vater und Sohn zu verweigern. Nun muss sie 500 Euro Strafe zahlen. Der Beschluss ist rechtskräftig.
06.31 Uhr, 14. Juni 2016

Von Familienfrieden waren diese Eltern auch am Vatertag weit entfernt: Seit Jahren streitet ein geschiedenes Paar um das gemeinsame Kind. Das ging jetzt so weit, dass über die Mutter aus Kärnten eine Beugestrafe von 500 Euro verhängt wurde. „Sie weigerte sich beharrlich, dass Kontaktrecht zwischen leiblichem Vater und Kind zu akzeptieren“, begründet Eva Jost-Draxl, Sprecherin des Landesgerichts. Beugestrafen gibt es sehr selten.

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19.07.2018 – Ostsee-Zeitung – Großeltern in Scheidungsfamilien: „Viele haben Angst, die Enkel zu verlieren“

Wenn sich Eltern trennen, gerät das ganze Familiengefüge ins Wanken. Ex-Partner und Kinder müssen mit der neuen Situation klarkommen – aber auch Großeltern. Wie gehen sie mit Ängsten und Sorgen um? Fragen an Familienexpertin Gertrud Ganser.

Köln  Wie sollten Großeltern in Scheidungsfamilien mit Verlustängsten, Schuldgefühlen und im schlimmsten Fall Kontaktverboten umgehen? Familienberaterin Gertrude Ganser gibt Antworten:

Das Referat Familienpastoral im Erzbistum Köln bietet unter anderem auch Veranstaltungen für Großeltern in Scheidungsfamilien an. Wie wird das angenommen? Weiterlesen