24.09.2011 (Samstag) – Psychische Gewalt in Beziehung und Familie und das Kindeswohl – Fachtagung in 42369 Wuppertal

24.09.2011 von 09:30h bis 17:30h

Städtische Erich-Fried-Gesamtschule Ronsdorf

An der Blutfinke 70

42369 Wuppertal

Teilnahmegebühr inkl. Mittagessen und Tagungsgetränke 60,00 €

Anmeldung erforderlich unter fachtagung@familie-trennungscoach.de

Schirmherrschaft Jürgen Rudolph, Richter am Familiengericht a.D.

Psychische Gewalt bzw. psychischer Missbrauch geschieht leise und ohne sichtbare Folgen – auf den ersten Blick.

Sicher kennt jeder mindestens eine Form der psychischen Gewalt aus seinem näheren Umfeld und doch nehmen wir viele Handlungen nicht bewusst als Gewalthandlungen wahr.

Sei es ob er/sie auf der Arbeit von den Kollegen gemobbt wird, ob das Kind in der Schule gehänselt und massiv unter Druck gesetzt wird oder ob man im Rahmen der Erziehung zu drastischen Maßnahmen und Bestrafungen greift. Auch innerhalb der Partnerschaft ist psychische Gewalt nicht selten ein Thema.

Erzieher und Pädagogen kennen Formen der psychischen Gewalt ebenso wie Mitarbeiter von Erziehungsberatungsstellen und Jugendämtern.

Auch und gerade in den Familien und Beziehungen im Rahmen von Trennungen und Scheidungen greifen viele Eltern und Ex-Partner/Innen zum Mittel des psychischen Missbrauchs. Gegenüber den Kindern und gegenüber der/dem Ex-Partner/In.

In familiengerichtlichen Verfahren tätige Gutachter/Innen weisen häufig unmittelbar darauf hin. Die Folgen für die Betroffenen werden meist direkt mit benannt.

Jedoch nicht selten ohne ausreichende Konsequenzen für den Täter oder die Täterin.

Häufig geschieht diese Art des Missbrauchs unbewusst, aus einer Notlage heraus oder weil man selber so erzogen wurde und dies die Normalität im eigenen Erziehungsalltag darstellt. In einigen Fällen jedoch auch aus Absicht heraus den Ex-Partner zu bestrafen. Mit dem Hintergrund das man jedoch dem Kind Gewalt antut und dieses nachhaltig schädigt.

Aber sagt das Gesetz nicht, dass Gewalt an Kindern, psychische wie physische nicht zulässig ist? Sprechen wir nicht gerade in familiengerichtlichen Verfahren auch immer vom so genannten Kindeswohl?

Wo aber fängt psychischer Missbrauch an? Wie gehen wir selber als beteiligte Profession mit dem Thema um wenn an uns der Verdacht eines psychischen Missbrauchs herangetragen wird?

Auf diese Thematik wollen wir auf der Fachtagung einmal näher eingehen.

 

Als Referenten werden wir begrüßen dürfen:

  • Dipl.Psych. Ulrike Angermann, Fachpraxis für Trauma-und Gesundheitspädagogik, Einzelheiten unter http://www.psychischegewalt.org/
  • Maria Dorner, Konrektorin a.D. Stellv. Vorsitzende des Verbandes Anwalt des Kindes, Bundesverband, Näheres zum VAK unter http://www.v-a-k.de
  • Dr. Ute Hoffmann, Dipl. Psych. Gutachterin in familien-und strafrechtlichen Verfahren
  • Birgit Kaufhold, Dipl.Pädagogin, Verfahrensbeistand, Umgangspflegerin, Ergänzungspflegerin, Näheres zur Referentin unter http://www.verfahrenspflegerin-kaufhold.de
  • PD Dr. Katharina Klees, Wissenschaftlerin, Autorin, ehemalige Jugendamtsleiterin, Trauma-Fachexpertin , Internetpräsenz unter http://www.aufwindinstitut.de
  • Hans-Christian Prestien, Familien – und Jugendrichter a.D., Ehrenvorsitzender des Verbandes Anwalt des Kindes, Bundesverband, 1. Vorsitzender des Landesverbandes Berlin/Brandenburg des VAK

Während der Tagung haben Sie die Möglichkeit das Buch „Kinderherz“ näher kennenzulernen. In vielen Berichten wird das Leid der Kinder beschrieben und auf die verschiedensten Arten des psychischen Missbrauchs hingewiesen. Die Autoren vermitteln eindringlich das Leid dieser Kinder und konfrontieren den Leser mit den Folgen dieser Form des Missbrauchs und der Gewalt.

 

Geplanter Tagungsablauf:

09.30 Uhr Ankunft/Begrüßungskaffee
10.00 Uhr Beginn der Tagung – Begrüßung durch den Schirmherr Jürgen Rudolph, Richter am Familiengericht a.D. – Rechtsanwalt Rudolph ist Mitgründer des interdisziplinären Kooperationsprojekts Cochemer Praxis („Cochemer Modell“) http://www.ak-cochem.de Dieses bekannte Projekt hat die Vernetzung der am familiengerichtlichen Verfahren beteiligten Professionen zum Ziel.
10.15 Uhr Maria Dorner, Psychischer Missbrauch/Psychische Gewalt in der Pädagogik oder einfach nur Erziehungsstil?
11.15 Uhr PD Dr. Katharina Klees, Psychischer Missbrauch/Psychische Gewalt aus Sicht der Kinder- und Jugendhilfe
12.15 Uhr Mittagspause
13.15 Uhr Birgit Kaufhold, Grenzen und Möglichkeiten des Verfahrensbeistandes bei psychischem Missbrauch
14.15 Uhr Dr. Ute Hoffmann, Psychischer Missbrauch/Psychische Gewalt in gerichtlichen Gutachten
15.15 Uhr Kaffepause
15.45 Uhr Ulrike Angermann, Psychischer Missbrauch/Psychische Gewalt und die Folgen
16.30 Uhr Hans-Christian Prestien, Psychischer Missbrauch und die Rechtsprechung
17.30 Uhr Ausblick und Ende

 

Veranstaltungsort:

Städtische Erich-Fried-Gesamtschule Ronsdorf

An der Blutfinke 70

42369 Wuppertal

 

Teilnahmegebühr inkl. Mittagessen und Tagungsgetränke 60,00 €

 

Das Catering übernimmt der Partyservice Leckermäulchen.

http://www.partyservice-leckermaeulchen.de/default.html

Anfahrt per Bahn, Bus und PKW unter:

http://efg.wtal.de/kontaktimpressum_anfahrt.html

Fragen und Anmeldungen können unter folgender Email vorgenommen werden

fachtagung@familie-trennungscoach.de

Quelle: familie-trennungscoach – http://www.familie-trennungscoach.de/page2.html

 

30.08.2011 (Dienstag) um 22:15h – „Rosenkrieg“ – ZDF-Dokumentation über schmerzliche Trennungen

Ankündigung des Sendetermins:

30.08.2011 (Dienstag) um 22:15h (bis 22:45h)

ZDF, Dokumentarfilm von Tina Radke-Gerlach und Annette Heinrich in der ZDF-Reihe „37°“

Mainz (ots) – Wie können aus einem Liebespaar nach einer Trennung erbitterte Feinde werden, die sich das Leben zur Hölle machen? Warum gebietet nicht wenigstens die Sorge um das Wohl der Kinder Einhalt? In der Dokumentation „Rosenkrieg. Wenn Liebe sich in Hass verkehrt“ von Tina Radke-Gerlach und Annette Heinrich, die das ZDF am Dienstag, 30. August 2011, 22.15 Uhr, in seiner Reihe „37°“ ausstrahlt, kommen betroffene Männer und Frauen zu Wort.

Bettina B. aus Mannheim war 20 Jahre lang verheiratet, bevor sie 2009 geschieden wurde. Ihre ältere Tochter (20) lebt seit der Trennung bei ihrem Ex-Mann, die jüngere (18) bei ihr. Obwohl die Familie noch immer im selben Haus wohnt, haben die Schwestern seit Jahren keinen Kontakt. Die gelernte Zahnarzthelferin ging nach der Scheidung durch die Hölle: Von Drohungen über Ratten im Briefkasten bis zur Anlieferung eines Sarges, um ihren Leichnam abzuholen, reicht das Spektrum der Grausamkeiten, die sie erleben musste. Bettina weiß: Um ein neues Leben anzufangen, muss sie aus dem gemeinsamen Haus ausziehen.

Der 41-jährige Thomas M. aus Moers hat seine Töchter seit acht Jahren nicht mehr gesehen. Nach der Scheidung zog seine Ex-Frau mit den beiden Mädchen nach Berlin. Für den Immobilienmakler brach eine Welt zusammen. Es folgten psychische Probleme und Arbeitslosigkeit. Irgendwann trifft er den Entschluss, sich zum Wohl seiner Töchter aus dem „Rosenkrieg“ zu verabschieden. Heute unterstützt er als Vorsitzender des Vereins „Väter helfen Vätern“ andere Betroffene.

Ganz anders der 48-jährige Magdeburger Wolfgang S., der seit Jahren um das gemeinsame Sorgerecht für seine inzwischen sechsjährige Tochter kämpft. Die Beziehung zu seiner Ex-Partnerin zerbrach 2008, die Freundin zog aus, die Tochter blieb zunächst bei ihm. Doch schon bald entbrennt ein Sorgerechtsstreit, der den selbstständigen Baugutachter und Verlagsleiter an seine emotionalen und finanziellen Grenzen führt. Der verzweifelte Vater verliert einen Prozess nach dem anderen – die Gesetzeslage bietet keine faire Lösung für unverheiratete Väter.

Fotos sind erhältlich über den ZDF-Bilderdienst, Telefon: 06131 – 70-16100, und über http://bilderdienst.zdf.de/presse/rosenkrieg

Pressekontakt:
ZDF-Pressestelle
Telefon: +49-6131-70-12121
Telefon: +49-6131-70-12120

26.08.2011 | 11:43 Uhr

Quelle: presseportal – http://www.presseportal.de/pm/7840/2101788/-rosenkrieg-zdf-dokumentation-ueber-schmerzliche-trennungen

 

18.04.2009 – TAZ – Wenn das Kind auf der Strecke bleibt

FAMILIENRECHT Viele Alleinerziehenden nutzen ihre Macht über die Kinder aus, um den anderen Elternteil zu verletzen. Dabei laufen auch Väter, die sich kümmern wollen, Gefahr, zum bloßen Unterhaltszahler zu werden

VON GUDRUN HOLTZ

Zu seinem Sohn hat Michael Steinhoff derzeit keinen Kontakt. Drei Jahre ist es her, dass der Bremer sich scheiden ließ, der Sechsjährige lebt heute bei seiner Exfrau. Ein halbes Jahr nach der Trennung ging sie das erste Mal vor Gericht, um den Kontakt zwischen Vater und Sohn zu verhindern. Immer wieder wurde Steinhoff beschuldigt, sich dem Kind gegenüber falsch zu verhalten. Zum Teil wurden die Anschuldigungen als unbegründet abgewiesen.

Wenn sich Elternpaare trennen oder scheiden lassen, geraten Väter in Gefahr, auf den Unterhaltszahler reduziert zu werden. Der Bremer Rechtsanwalt Bruno Contur rät, innerhalb eines Scheidungsverfahrens eine Regelung des Sorgerechts, des Aufenthaltsbestimmungsrechts und des Umgangsrechts zu beantragen. Conturs Erfahrungen zeigen, dass Paare es oftmals versäumen, dies zu klären, weil immer noch die Auffassung besteht, es werde schon irgendwie klappen.

So wie bei Michael Steinhoff und seiner Frau. Wie immer die noch ausstehenden Entscheidungen des Gerichts ausfallen: Viele Alleinerziehende nutzen ihre Macht über die Kinder aus, um den anderen Elternteil zu verletzen. „Man könnte ganz brutal sagen, es geht oft nicht um die Kinder. Es geht häufig um die Auseinandersetzung der Eltern“, sagt der Bremer Psychoanalytiker Heiko Jelinek.

Ungelöste Konflikte zwischen Vater und Mutter brächten die Mutter dazu, den Vater verdrängen zu wollen. Und bei Gericht bekommen die Mütter häufig Rückendeckung. Laut Jelinek ist das kein Zufall: „Die Mütter können auf dem verbreiteten Klischee aufbauen, die Kinder gehörten zur Mutter. Und das wird durch Behörden und Gerichte sehr stark unterstützt.“

Heiko Jelinek leitet in Bremen eine Vätergruppe. Dort stehen sich Trennungsväter einmal in der Woche mit Rat und Tat zur Seite. In der Regel sehen sie alle ihre Kinder – doch der Kontakt ist ihnen oft zu kurz oder nicht häufig genug. Daneben gibt es immer wieder den Kampf mit den Müttern. Und das obwohl nach Jelineks Meinung die Väterforschung längst belegt hat, dass Väter für die Entwicklung ihrer Kinder genauso wichtig sind wie die Mütter. Der Vater ist wichtig für die Tochter. „Er kann ihr helfen“, so Jelinek, „ein gutes weibliches Selbstgefühl zu entwickeln, sich als Mädchen in der eigenen Weiblichkeit wohlzufühlen“.

Für Jungen spielt der männliche Part in der Erziehung ebenfalls eine wichtige Rolle. „Bei den Söhnen“, sagt der Psychoanalytiker, „ist es wichtig, sich aus der Situation des kleinen Prinzen der Mutter gegenüber zu lösen, aus dieser möglicherweise überengen Mutter-Sohn-Beziehung. Für den Jungen bedeutet der Vater eine Identifikationsfigur, stärker als für das Mädchen.“

Häufig haben die Kinder keine anderen männlichen Vorbilder, denn bis zum Grundschulalter treten oft kaum Männer in ihrem Leben auf. Spätestens im Erwachsenenalter zeigen sich die Konsequenzen. Nach Einschätzung von Jelinek ist es sogar fraglich, ob Jungen, die ohne Vater aufgewachsen sind, in späteren Partnerschaften ihre Aufgabe als verlässliche Männer richtig erfüllen können.

Aus Jelineks Sicht machen sich viele Frauen zu wenig Gedanken darüber, „dass auch Mütter in der Pflicht sind, Jungen so zu Männern mit zu erziehen, dass sie später reife verlässliche Partner und dann eben auch wieder Väter werden.“ Wenn Frauen aus der Enttäuschung über das Beziehungsende dafür sorgen wollten, dass ihr Kind mit ihrem Expartner nichts mehr zu tun habe, sei das eine Überreaktion.

Früher wurden Männern oft pauschal Unzulänglichkeiten in der Kindererziehung zugeschrieben. „Das ist eine kollektiv akzeptierte Diskriminierung der Männer im Umgang mit den Kindern“, sagt Jelinek. Für seine Begriffe handelt es sich dabei um eine behördlich akzeptierte Schädigung des Kindeswohls. Hier würden Kinder „um ihre Vaterbeziehung betrogen“.

Die Behörden sind dafür zuständig, im Falle einer Scheidung sicherzustellen, dass die Kinder zu beiden Elternteilen guten Kontakt haben. Der Cochemer Familienrichter Jürgen Rudolph verortet das Problem im Rechtssystem, bei dem die „Sichtweise des Kindes auf der Strecke bleibt“. Der Versuch, mit rein juristischen Formeln Familienkonflikte zu lösen, ist seiner Meinung nach nicht Erfolg versprechend. Das Gericht produziere Sieger und Verlierer „und Kinder gehen dabei immer mit als Verlierer heraus“.

Rudolph ist Mitinitiator des Cochemer Modells, das gerichtlich andere Wege beschreitet. „Kinder sollen auch nach einer Trennung einen ausgewogenen Kontakt zu beiden Eltern haben können“, so der Familienrichter. Die am Verfahren beteiligten Institutionen agieren nicht als Entscheider, sondern als Moderatoren. Sie sehen ihre Aufgabe darin, Konflikte zu lösen. Ein Weg, der sich bislang bewährt hat.

„Man könnte ganz brutal sagen, es geht oft nicht um die Kinder.“

WENN VÄTER SICH NICHT KÜMMERN

Viele Väter bekommen Beruf und Familie nach wie vor nicht unter einen Hut und wollen das auch gar nicht: So nehmen lediglich 13 Prozent der Papas eine Auszeit oder treten beruflich kürzer, um sich um ihre Kinder zu kümmern. Dafür arbeiten aber 68 Prozent der Mütter weniger oder machen für die Kinder eine Pause im Job. Eine repräsentative Forsa-Umfrage ergab, dass jeder zweite Vater auch gar nicht kürzer treten will. Fast jeder Dritte kann sich das zwar vorstellen, schafft es aber nicht, dies auch umzusetzen. Bei den Müttern wollen nur 15 Prozent keinesfalls weniger arbeiten. Es sind vor allem finanzielle Sorgen, die Eltern von einer beruflichen Pause abhalten. – Dies bejahten 59 Prozent der Befragten. Lediglich sechs Prozent haben Angst vor einem Karriere-Aus. Mehr als jeder Fünfte musste bereits einmal wegen seines Jobs einen Urlaub absagen oder verkürzen. Fast die Hälfte der Eltern arbeitet ab und zu auch am Wochenende und mehr als jeder Dritte nimmt sich des öfteren Arbeit mit nach Hause. Überstunden machen 46 Prozent der Befragten. Fast jede dritte Mutter verbringt mehr als acht Stunden täglich mit der Kindererziehung. Im Vergleich: Nur fünf Prozent der Väter sind „Vollzeit-Papas“ – aber 28 Prozent der Väter haben schon mal den Geburtstag ihres Kindes oder dergleichen verpasst. dpa

Quelle: TAZ – http://www.taz.de/1/archiv/print-archiv/printressorts/digi-artikel/?ressort=sp&dig=2009%2F04%2F18%2Fa0197&cHash=aef6879365

 

23.08.2011 – Tagesspiegel – Familienhilfe, Hilfe zur Selbstbedienung

Das Geschäft mit der Not von Kindern und Familien blüht. Es fehlt an Kontrollen, sagen Politiker. Sie fordern Reformen.

Mehr als 400 Millionen Euro gibt Berlin jährlich für die „Hilfen zur Erziehung“ für Kinder aus. Davon profitieren über 780 Träger. Die Branche wächst rasant – und mit ihr der Ruf nach mehr Kontrolle. Denn belohnt werden, wie der Tagesspiegel berichtete, nicht die Träger, die ihren Klienten helfen, möglichst schnell ihr Leben aus eigener Kraft zu bestreiten. Oft reiht sich deshalb eine Unterstützungsphase an die andere. Der CDU-Haushaltsexperte Uwe Goetze fordert: „Das ganze System muss unter einen gewissen Erfolgsdruck gesetzt werden.“ Es seien zwar hoch qualifizierte Sozialarbeiter in der Familienhilfe tätig, aber eine „Supervision von außen“ sei dringend erforderlich, um die Kosten zu bremsen.

Welche absurden Entwicklungen das System zuweilen hervorbringt, zeigt der „Integrationszuschlag“ bei Kitas. Die Einrichtungen bekommen eine halbe Pädagogen-Stelle zusätzlich, wenn sie ein schwerstbehindertes Kind aufnehmen. In Treptow-Köpenick kam es zu einem Anstieg der schwerbehinderten Kinder um 240 Prozent innerhalb von drei Jahren. „Es kann mir keiner erzählen, dass es so viele neue Fälle gibt“, sagt Oliver Schruoffenegger. „Falsche Steuerungsstrukturen“ diagnostizieren die Grünen und wollen diesen mit einer Reform beikommen, die beispielsweise ein festes Budget für die Einzelfallhilfen vorsieht. „Dann gibt es keinen Anreiz mehr zur Mengenausweitung“, sagt Schruoffenegger. Zudem müsse die Vielfachbetreuung von Klienten gestoppt werden. Ein Kind mit Betreuungsbedarf werde beim Schuleintritt manchmal von vier Personen betreut: dem Schulhelfer, Einzelfall- und Familienhelfer sowie vom Logopäden.

Mieke Senftleben, Sprecherin für Soziales bei der FDP, spricht von einem „langjährigen Versäumnis des Senats“. Gegenwärtig kontrollierten sich die freien Träger selber: Ein Träger beurteile die Hilfebedürftigkeit der Klienten eines anderen. Dass „eine Hand die andere wäscht“, so Senftleben, dürfe nicht länger geduldet werden. Mehr „präventive“ Maßnahmen seien ferner nötig, die etwa in „Familienzentren“ geleistet werden könnten.

Mit der frühzeitigen Betreuung hilfebedürftiger Familien hat man im Kinderschutz-Zentrum gute Erfahrungen gemacht: Dort werden Gruppen mit jungen, selbst früher misshandelten Eltern begleitet, die ein Baby bekommen haben. Sie lernten voneinander und von dem Betreuer. Doch für Projekte wie dieses gebe es nur wenig Geld. Vorstand Elisabeth-Charlotte Knoller nennt dennoch die Darstellung, wonach die Familienhilfe ohne Kontrolle wachsende Haushaltmittel verschlinge, einseitig: „Es gibt regelmäßige Qualitätsdialoge durch die Amtsleitungen in den Bezirken, und wenn eine Hilfe länger als sechs Monate läuft, wird sie immer hinterfragt.“ Auch externes Fachcontrolling gebe es in den Bezirken: in Neukölln durch eine Mitarbeiterin des Jugendamtes Duisburg. Zudem gebe es einen „ganz erhöhten Kostendruck in den Bezirken“, weil andere Ressorts die wachsenden Kosten im sozialen Bereich nicht kritiklos hinnehmen.

Für die „Hilfen zur Erziehung“ (HzE) gibt das Land im laufenden Jahr voraussichtlich 415 Millionen Euro aus. Das sind – laut einer Prognose der Finanzverwaltung – 56 Millionen Euro mehr als im Landeshaushalt 2011 eingeplant. Die Kosten für Heimerziehung und betreutes Wohnen sind dabei nicht das Problem. Dafür müssen die zwölf Bezirke sogar weniger zahlen als gedacht. Es sind die stationären Hilfen, die das Budget der Jugendämter strapazieren. Der Bezirk Mitte liegt in diesem Bereich um 16 Millionen Euro über dem Plan, Pankow überzieht um fast 9 Millionen, Spandau um 7 Millionen. Treptow-Köpenick muss 2 Millionen drauflegen, Neukölln 7 Millionen und Reinickendorf 13 Millionen. Begründet werden die Steigerungen beispielsweise mit „erhöhter Unterbringung durch Kinderschutzfälle“, die zeitweise „Unterbringung zur Erfüllung der Schulpflicht“ und eine „intensive sozialpädagogische Einzelfallbetreuung“. Vereinzelt steigen die Kosten auch bei der Familienhilfe und bei gemeinsamen Wohnungen für Mütter oder Väter mit deren Kindern.

In der Ägide des Finanzsenators Thilo Sarrazin war es gelungen, die öffentlichen Ausgaben für Jugend- und Familienhilfen von 455 Millionen Euro auf 319 Millionen Euro (2006) zu drücken. Ein Vergleich mit Hamburg zeigte damals, dass sowohl die Fallzahlen als auch die Kosten pro Hilfe in Berlin deutlich höher lagen. Doch ab 2007 stiegen die Ausgaben wieder stetig an und überschritten 2009 die 400-Millionengrenze. Trotz aller Versprechungen der rot-roten Koalition für eine bessere Kostenkontrolle.

2009 einigten sich Senat und Bezirke auf ein neues System, um die Kosten der Jugend- und Familienhilfe besser in den Griff zu bekommen. Angestrebt wurde ein begleitendes „Fachcontrolling“, jährlich eine „Tiefenprüfung“ von drei Bezirken, ein flexibles Zuweisungsmodell für die HzE-Zuschüsse und verbindliche Zielvereinbarungen mit den Jugendämtern. Seit 2010 stiegen die Ausgaben nur noch im Rahmen der Teuerungsrate.

23.08.2011 11:31 Uhr | Von Ralf Schönball, Ulrich Zawatka-Gerlach

Quelle: Tagesspiegel – http://www.tagesspiegel.de/berlin/hilfe-zur-selbstbedienung/4528930.html

 

22.08.2011 – ORF – Ritsch: Mehr Rechte für Väter nach Scheidung

Der ORF Vorarlberg startet seine Sommergespräche mit den Parteiobleuten. Erster Gast: SPÖ-Klubobmann Michael Ritsch. Ritsch fordert Änderung der Obsorge

SPÖ-Chef Michael Ritsch fordert in den Radio-Vorarlberg-Sommergesprächen mehr Rechte für Väter nach Scheidungen. Er sprach sich für eine gemeinsame Obsorge aus. Beide Elternteile sollen im Falle einer Scheidung für die Kinder sorgen.

Im Gegensatz zu der Frauenministerin Gabriele Heinisch-Hosek (SPÖ) fordert Ritsch eine gemeinsame Obsorge. Sollte ein Frau laut Ritsch nicht wollen, dass ihr Mann und sie gemeinsam die Obsorge teilen, dann sollte sie einen Antrag stellen müssen und dies begründen.

Als SPÖ-Parteichef von Vorarlberg sei er der Meinung, dass es gerechter wäre, wenn beide Familienpartner dieselben Pflichten und Rechte hätten. Er fordert daher eine Änderung der bisherigen Obsorge-Bestimmungen.

Das Sommergespräch zum Nachhören

Hier hören Sie das gesamte Sommergespräch mit Michael Ritsch. Das Gespräch hat Radio-Vorarlberg-Redakteur Daniel Rein geführt.

[…]

Quelle: ORF – http://vorarlberg.orf.at/stories/533597/

 

17.11.2000 – Parlamentskorrespondenz Nr. 672 – Justizausschuss beschliesst gemeinsame Obsorge

Meinungen darüber bleiben weiterhin geteilt

Wien (PK) � In den gestrigen Abendstunden nahm der Justizausschuss die Regierungsvorlage zum Kindschaftsrechts-Änderungsgesetz 2001, in dessen Mittelpunkt die gemeinsame Obsorge nach einer Scheidung steht, in Verhandlung. (296 d.B.) Im Gegensatz zur derzeitigen Rechtslage soll die gemeinsame Obsorge beider Eltern aufrecht bleiben, jeder Elternteil kann aber ohne Angabe von Gründen die Aufhebung dieser Obsorge beantragen. Weitere Punkte des Entwurfes betreffen unter anderem die Senkung des Volljährigkeitsalters auf das vollendete 18. Lebensjahr sowie die Bestimmung, dass Minderjährige über 14 Jahren in Pflegschaftsverfahren selbständig verfahrensfähig sein sollen und Anträge stellen können. Im Mittelpunkt des öffentlichen Interesses stand naturgemäß die Frage der gemeinsamen Obsorge. Der Justizausschuss hatte sich an zwei Tagen intensiv mit dieser Problematik im Rahmen eines Hearings mit zahlreichen namhaften ExpertInnen auseinandergesetzt. Eine einhellige Meinung hatte sich dabei nicht herauskristallisiert, wie auch die abschließende Diskussion der Mitglieder des Justizausschusses gezeigt hat. Opposition und Regierungsfraktionen warfen einander ein selektives Wahrnehmungsvermögen vor.

Die SozialdemokratInnen bedauern, wie die Abgeordneten Barbara Prammer, Gisela Wurm und Johannes Jarolim feststellten, dass dieser Entwurf nicht in Begutachtung gegangen sei. Die meisten Punkte des Gesetzes seien zwar positiv, die zentralen Bestimmungen zur Obsorge stellten jedoch einen Rückschritt dar und entsprächen nicht dem Kindeswohl. Prammer mutmaßte, dass die Auswirkungen zu Lasten der Schwächeren und vor allem der Frauen gehen und Unterhaltsfragen massiv auf den Tisch kommen würden. Die S-MandatarInnen stellten nicht in Abrede, dass viele ExpertInnen durchaus für eine gemeinsame Obsorge eingetreten seien, sie hätten aber andere Wege dazu aufgezeigt. Mit der vorliegenden Lösung würden die Kinder in die Streitfälle miteinbezogen, weshalb die Regierung die schlechteste und verantwortungsloseste aller Möglichkeiten gewählt habe.

In die gleiche Kerbe schlug Abgeordnete Terezija Stoisits (G), die einen Abänderungsantrag einbrachte, der die Streichung dieser zentralen Änderung vorsieht. Als Begründung führt sie darin auch an, dass in Hinkunft bei strittigen Trennungen auf Kosten des Kindes mit Hilfe des Gerichts mit regelmäßigen Anträgen weiter gestritten würde, was nicht dem Wohl des Kindes diene. Stoisits räumte ein, dass das Expertenhearing bei ihr in manchen Detailfragen ein Umdenken bewirkt habe, das gewollte Modell der gemeinsamen Betreuung von Kindern werde aber auch deshalb nicht funktionieren, weil die gesellschaftlichen Rahmenbedingungen ungünstig seien. Man unterliege der Illusion eines bestimmten Familienbildes, das es nicht gebe, die Frauen würden wieder erpressbar. Wie die S-Abgeordneten auch, ziehe sie eine Obsorge auf Antrag vor.

Die Regierungsparteien argumentierten, dass die vorangegangene Regierung bereits einen Entwurf zum Kindschaftsrecht eingebracht habe, der auch in Begutachtung gegangen sei. Das Ergebnis dieses Begutachtungsverfahrens habe in den Entwurf Eingang gefunden, es sei aber richtig, dass die Regelungen zur gemeinsamen Obsorge neu hinzu gekommen seien. Für Abgeordnete Edith Haller (F) sind die Änderungen notwendig, weil sie Verbesserungen bringen. Man mache damit den Eltern ein Angebot, das sie annehmen können, aber nicht müssen. Ihr Fraktionskollege Michael Krüger wies ergänzend auf die bestehende gemeinsame Obsorge in anderen europäischen Ländern wie England, Schweden und der BRD sowie auf eine Empfehlung des Europarates hin.

Abgeordneter Walter Tancsits (V) sprach von einer Dramatik der jetzigen Situation, wo Scheidungen auf dem Rücken der Kinder ausgetragen würden, weshalb ein weiteres Zuwarten schlecht gewesen wäre. Er sieht die gemeinsame Obsorge als einen Auftrag an beide Elternteile, nach Möglichkeit das Kindeswohl in den Vordergrund zu stellen und den Konsens zu finden. Wo es nicht funktioniere, greife ohnehin der Richter ein. Ähnlich argumentierte sein Fraktionskollege Josef Trinkl.

Nachdem die Opposition auch immer wieder die Aussetzung der Regelungen gefordert hatte, um die Entwicklung in Deutschland abzuwarten, und für eine Abkühlungsphase nach deutschem Vorbild plädiert hatte, entgegnete Bundesminister Böhmdorfer, dass diese in unserem Nachbarstaat zu einer Entfremdung zwischen einem Elternteil und den Kindern geführt hätte.

Bei der Abstimmung wurde die Regierungsvorlage in der Fassung eines Abänderungsantrages sowie eine Ausschussfeststellung mit F-V-Mehrheit angenommen. Die Änderungen sehen unter anderem die Abstellung auf das Kindeswohl für den Fall der Beendigung der Obsorge beider Eltern vor.

Der von Abgeordneter Stoisits eingebrachte und von Abgeordneter Prammer unterstützte Abänderungsantrag, der den Entfall der gemeinsamen Obsorge vorsieht, weiters das Zeugnisverweigerungsrecht in der ZPO auch für LebensgefährtInnen festlegt und die Einschränkung des Unterhaltsvorschussgesetzes auf österreichische Staatsbürger aufhebt, wurde von den Regierungsfraktionen abgelehnt.

Ein Vier-Parteien-Entschließungsantrag, in dem der Justizminister ersucht wird, bis 31. Dezember 2001 dem Nationalrat einen Gesetzesvorschlag zuzuleiten, der unter Berücksichtigung bisheriger Erfahrungen die rechtlichen Voraussetzungen und den rechtlichen Rahmen für die Ausübung der Mediation regelt, wurde einstimmig angenommen.

Ein weiterer Entschließungsantrag, in dem der Justizminister ersucht wird, dem Nationalrat bis Ende 2005 einen Bericht über die Auswirkungen der Neuregelungen des Kindschaftsrechts vorzulegen, insbesondere was die Akzeptanz der Obsorge und Besuchsrechtsregelungen, die Wirkungen auf das Kindeswohl und was die Form der Konfliktaustragung anlangt, wurde mit F-V-G-Mehrheit angenommen.

HERABSETZUNG DER ALTERSGRENZE FÜR JUGENDSTRAFRECHT VERTAGT

Der Antrag der Regierungsparteien zum Jugendgerichtsgesetz wurde auf Antrag des Abgeordneten Michael Krüger (F) einstimmig vertagt. (311/A). Krüger argumentierte, dass die Enquetekommisssion, die sich mit der Frage der Diversion befasse, sich auch mit diesem Antrag auseinandersetzen solle.

Zentraler Punkt dieser von den Regierungsparteien vorgeschlagenen Änderung des Jugendgerichtsgesetzes ist die Herabsetzung der oberen Altersgrenze für die Anwendung des Jugendstrafrechtes vom 19. auf das 18. Lebensjahr. Gleichzeitig soll für Taten, die vor dem 19., allenfalls vor dem 21. Lebensjahr begangen wurden, die Zuständigkeit bei den Gerichtsabteilungen für Jugendstrafsachen bzw. am Wohnort des Beschuldigten konzentriert werden. Der Antrag zielt auch auf die Schaffung von Sonderbestimmungen für die strafrechtliche Behandlung von Personen unter 21 Jahren im StGB ab. So soll für junge Erwachsene die lebenslange Freiheitsstrafe ausgeschlossen und die außerordentliche Strafmilderung in Fällen mangelnder Reife erweitert werden.

[…]

Parlamentskorrespondenz Nr. 672 vom 17.11.2000
Themenfelder:
gemeinsame Obsorge
Sachbereich:
Ausschusssitzungen des NR
Stichworte:
Parlament/Justizausschuss/Kindschaftsrecht

Parlament, Dr. Karl Renner-Ring 3, A-1017 Wien | Tel. +43 1 40110-0

 

Quelle:  Parlamentskorrespondenz Nr. 672 – http://www.parlinkom.gv.at/PAKT/PR/JAHR_2000/PK0672/

 

05.09.2009 – Weser Kurier – Kinder haben ein Recht auf beide Eltern

Bremen. Seit Monaten hat Sebastian Klein (Name von der Redaktion geändert) aus Bremen seinen Sohn nicht mehr gesehen. Das fünfjährige Scheidungskind lebt bei der Mutter und verbrachte bisher jedes zweite Wochenende bei seinem Vater. Doch das geht nun nicht mehr. „Nach seinem fünften Geburtstag wurde mir komplett der Umgang von meiner Ex-Frau untersagt“, erzählt Klein.

Bereits ein halbes Jahr nach der Trennung ging seine Frau vollkommen unverhofft das erste Mal vor Gericht, um den Kontakt zwischen Vater und Sohn zu verhindern. Seitdem reiht sich ein Gerichtsverfahren ans andere. Immer wieder wurde er von seiner Frau beschuldigt, sich dem Kind gegenüber falsch zu verhalten. Zum Teil wurden ihre Anschuldigungen vom Gericht schon als unbegründet abgewiesen. Nun ist sie erneut vor Gericht gegangen. „Sie hat den ganzen Katalog benutzt, den man vorwerfen kann“ sagt Sebastian Klein.

Von einem auf den nächsten Tag wurde der Kontakt unterbunden. Das Gericht entschied ohne Verhandlung und Anhörung, dass er drei Monate sein Kind nicht sehen darf. Klein versteht nicht, warum es nicht möglich ist, wenigstens einen betreuten Umgang einzusetzen oder sofort einen Gerichtstermin zu haben. „Unmengen an Zeit gehen ins Land“ klagt er. „Das mindeste wäre, irgendjemand überprüft jetzt, wie ich mit meinem Sohn umgehe.“ Falls bei der Gerichtsverhandlung gesagt wird, es sei für seinen Sohn zu anstrengend, zu ihm Kontakt zu haben, wird er sich zurückziehen. Er möchte verhindern, dass sein Sohn weiterhin von seiner Mutter instrumentalisiert wird.

Zahlreiche Verfahren an deutschen Familiengerichten

An deutschen Familiengerichten gibt es zahlreiche Verfahren, bei denen es darum geht, ob und wie viel Kontakt das Kind zum anderen Elternteil haben soll. Manche Verfahren mögen berechtigt sein und es ist wirklich zum Wohle des Kindes, dass es keinen Kontakt mehr zu einem misshandelnden oder missbrauchenden Elternteil hat. Oft aber werden auch falsche Anschuldigungen benutzt, um den anderen Elternteil aus dem Leben des Kindes zu verdrängen. Trennungsschmerz, Rachegefühle, ungelöste Konflikte zwischen den Eltern oder die Angst davor, dass das Kind den anderen Elternteil nach der Trennung lieber mögen könnte, veranlasst viele Alleinerziehende dazu. Dass sie damit letztendlich auch ihren Kindern schaden, nehmen sie nicht wahr. Dabei haben Kinder seit 1998 ein Recht auf beide Eltern.

Die gemeinsame Sorge beider Eltern nach einer Scheidung wurde zum Regelfall gemacht. Man hoffte auf einen Rückgang der Konflikte und einen Bewusstseinswandel beim betreuenden Elternteil dahingehend, dass auch der Umgang mit dem anderen Elternteil für das Kind wichtig sei. „Im Scheidungsverfahren treffen wir inzwischen keine Entscheidung mehr zur elterlichen Sorge“ sagt Familienrichterin Margarethe Bergmann. Die Kölner Juristin hatte selbst an der Gesetzesänderung mitgearbeitet. Die Streitigkeiten haben seit der Reform jedoch zugenommen. Allein von 1998 bis 2003 gab es einen Anstieg um 50 Prozent. „In den Fällen, wo ein Streit entsteht, gibt es so einen Bodensatz, wo der Streit viel radikaler ist als früher“ erklärt sie. „Es gibt Eltern, die überhaupt nicht in der Lage sind, ihre eigenen Bedürfnisse ein Stück zurückzustellen, um Kindern gerecht zu werden.“

Vorübergehenden Ausschluss des Umgangs anordnen

Immer wieder passiert es auch, dass gerade Gerichte einen, wenn auch vorübergehenden Ausschluss des Umgangs anordnen. „Der Richter findet eine verfahrene Situation vor und fühlt sich hilflos“ erklärt der Cochemer Familienrichter Jürgen Rudolph. Schließlich würden Sachverständige beauftragt, diagnostische Gutachten zu erstellen. Darin würde dann oft festgestellt werden, dass Ruhe für das Kind rein müsse, damit es sich von den Streitigkeiten erholen kann. „Eine Umgangsunterbrechung für mehrere Monate und manchmal bis zu zwei Jahren wird angeordnet.“ So wird „der andere Elternteil rausgekickt“, erklärt Rudolph.

Betroffen sind überwiegend Väter, weil die Arbeitsteilung in der Familien zumeist immer noch klassisch ist und die Mehrzahl der Kinder nach einer Scheidung oder Trennung bei der Mutter lebt. Zahlreiche Kinder werden so um ihre Beziehung zum Vater gebracht. Es gibt aber auch Mütter, denen der Umgang mit ihren Kindern verwehrt wird. In Rheinland-Pfalz beträgt die Quote der Frauen, die von solch einem gerichtlichen Beschluss betroffen sind, 20 Prozent „mit steigernder Tendenz“. Zudem sei die Härte des Konflikts nicht geschlechtsspezifisch, stellt Rudolph klar. „Väter stehen Müttern da in nichts nach.“

Rudolph verortet das Problem in unserem Rechtssystem, bei dem die „Sichtweise des Kindes auf der Strecke bleibe“. Der Versuch mit rein juristischen Formeln, Familienkonflikte zu lösen, könne nur schiefgehen. Das Gericht produziere Sieger und Verlierer „und Kinder gehen dabei immer mit als Verlierer heraus“. Gerichtverfahren hätten zudem eine eskalierende Wirkung. Die lange Dauer zwischen Antrag und Gerichtstermin, im Durchschnitt 6,8 Monate (2005), verschärfe die Situation zwischen den Eltern. Dass sich das Jugendamt durch eine Stellungnahme als Gegner oder Befürworter positioniere, sei auch nicht gerade förderlich.

„Tempo der frühen Intervention“

Jürgen Rudolph ist Mitinitiator des Cochemer Modells, das gerichtlich andere Wege beschreitet. „Kinder sollen auch nach einer Trennung die Beziehung zu beiden Eltern leben können.“ Dies ist das Ziel in Cochem. „Wir leben vom Tempo der frühen Intervention, und selten wird der Eskalationsstand erreicht, der sich in normalen Verfahren über Monate oder Jahre aufbaut.“ So wird nach Antragsstellung prinzipiell in zwei Wochen ein Gerichtstermin anberaumt, zu dem auch das Jugendamt geladen wird. Es muss nicht wie sonst eine Stellungnahme abgeben, sondern stattdessen vorher die ganze Familie kontaktieren. Die Rechtsanwälte haben sich verpflichtet, keine schmutzige Wäsche zu waschen, und maximal eine Seite zur Sache zu schreiben. Beim Termin selbst können die Eltern darüber reden, was für sie eine Rolle spielt.

Auch Emotionen dürfen dabei losgelassen werden. „Man kriegt so ziemlich gut eine Gesprächsbereitschaft hin“ sagt Rudolph. Die am Verfahren beteiligten Richter, Anwälte, Gutachter und Jugendamtsmitarbeiter verstehen sich nicht als Entscheider, sondern vielmehr als Moderatoren. Sie versuchen den Streit zu schlichten. Wichtig ist, dass die Eltern zu einer einvernehmlichen Lösung finden. Sind die Eltern beim Gerichtstermin dazu nicht in der Lage, werden sie zur Beratung geschickt, und ein neuer Gerichtstermin wird drei Monate später angesetzt. Das geht nicht immer ohne Druck, weshalb das Modell auch schon als autoritär kritisiert wurde. „Entweder bleibt der Druck auf den Kindern oder wir verlagern den Druck auf die Eltern.“ hält Rudolph dem entgegen. In der Beratung könne den Eltern deutlich gemacht werden, dass es nicht um sie gehe, sondern um ihre Kinder.

Cochemer Modell erfolgreich

Das Cochemer Modell hat sich als sehr erfolgreich bewährt. Es wird inzwischen im nördlichen Rheinland-Pfalz praktiziert, und Baden-Württemberg ist gerade dabei, es zu übernehmen. Rudolph wurde auch in Berlin bei den Beratungsgesprächen eines neuen Verfahrensgesetzes in Familiensachen konsultiert. Das neue Gesetz wurde im Juni vom Bundestag verabschiedet und trat am 1. September in Kraft. Umgangsverweigerungen sollen damit künftig besser verhindert werden. Es sieht vor, dass Gerichte Ordnungsgelder gegen umgangsverweigernde Eltern verhängen können. Außerdem gibt es die Möglichkeit, einen Umgangspfleger zu bestellen, der in schwierigen Konflikten sicherstellen soll, dass der Kontakt des Kindes zum Umgangsberechtigten nicht abbricht. Eine Beschleunigung von Sorge- und Umgangsverfahren ist vorgesehen, und auch die einvernehmliche Lösung des Konfliktes soll bei Gericht im Vordergrund stehen.

Es hat den Anschein, als wenn das Cochemer Modell Eingang ins Gesetz gefunden hätte. Rudolph ist jedoch enttäuscht. „Das Gesetz ist viel zu schwach.“ Zwar könne das Gericht die Eltern in die Beratung schicken, aber dies sei nicht vollstreckbar. Der Richter kann es nicht durchsetzen, wenn sich Eltern weigern. Außerdem sei die frühe Terminierung des Gerichtstermins nur eine Soll-Vorschrift geworden, also muss er nicht geschehen. Das Gesetz hätte seiner Ansicht nach konsequenter sein können. „Es wurde wieder nur ein halbherziger Schritt gemacht.“

Neues Scheidungsrecht- 05.09.2009

Von Gudrun Holtz und Edith Diewald

Quelle: Weser Kurier – http://www.weser-kurier.de/Artikel/Bremen/Politik/30815/Kinder-haben-ein-Recht-auf-beide-Eltern.html