25.07.2011 – Tiroler Tageszeitung – Innsbruck – Nach Missbrauchsvorwürfen wurde Kinderheim geschlossen

In Absprache mit dem Land Tirol schließt die Geschäftsführung ein privates Jugendheim, in dem es in den 1990er-Jahren zu sexuellen Übergriffen gekommen sein soll.

Innsbruck – „Das Land Tirol nimmt die Vorwürfe gegen eine private Innsbrucker Betreuungseinrichtungen, in der es in den frühen 90-er Jahren zu sexuellen Übergriffen des Heimleiters gekommen sein soll, sehr ernst. Die betroffene Einrichtung wird ihre Pforten schließen.“ Mit diesen Worten zieht Soziallandesrat Gerhard Reheis Konsequenzen. Die Einrichtung beherbergte zuletzt sieben Kinder. In Absprache mit dem Land Tirol hat die Geschäftsführung des Heims daher die Schließung veranlasst.

Für die Kinder suche die Jugendwohlfahrt neue Plätze, hieß es in einer Aussendung des Landes. Im Interesse der Kinder und Jugendlichen werde in den nächsten Monaten von der Jugendwohlfahrt versucht, möglichst gute individuelle Lösungen für jedes Kind zu finden, kündigte der Soziallandesrat an.

Urlaub beim Verdächtigen

Offenbar hat sich die Verdachtslage rund um die Vorfälle im Heim erhärtet.

Als im Jahr 1996 ein damals 19-Jähriger Vorwürfe wegen sexuellen Missbrauchs gegen den damaligen Leiter der Einrichtung erhoben hat, hat das Land Tirol Strafanzeige erstattet. Das Verfahren wurde allerdings von der Staatsanwaltschaft eingestellt. Der damalige Leiter wurde suspendiert. Doch er unterhielt weiter Kontakt mit dem Heim und der neuen Heimleiterin und war regelmäßig zu Gast.

„Nachdem die Staatsanwaltschaft den Fall zurückgelegt hat, hätten wir den Kontakt zwischen ihm und der neuen Heimleiterin nicht verbieten können. Jeder Erwachsene kann und darf Kontakt haben, mit wem er will“, erklärte dazu die Leiterin der Jugendwohlfahrt, Silvia Rass-Schell. Bekannt wurde auch, dass die neue Heimleiterin zwischen 2001 und 2010 mit den Heimkindern die Sommerferien beim Ex-Heimleiter in Ungarn verbracht hat.

Weitere Opfer

Nunmehr haben sich zwei weitere mutmaßliche Opfer gemeldet, die von Übergriffen in den 1990er-Jahren berichten.

„In der Folge ist man mit der Heimleitung übereingekommen, die Einrichtung zu schließen. Die Heimleitung wird sich auch um Beratung und Begleitung der Kinder und Jugendlichen durch Fachexperten des Kinderschutzes bemühen. Als Aufsichtsbehörde können wir nur punktuelle Kontrollen der Einrichtungen vornehmen und müssen uns darauf verlassen können, dass die Kinder und Jugendlichen dort sicher und absolut keinen Übergriffen ausgesetzt sind,“ schildert Silvia Rass-Schell, Leiterin der Jugendwohlfahrt, die Konsequenzen. (tt.com)

Tiroler Tageszeitung, Onlineausgabe vom Mo, 25.07.2011 12:10
aktualisiert: Mo, 25.07.2011 14:16

Quelle: Tiroler Tageszeitung – http://www.tt.com/csp/cms/sites/tt/Überblick/Chronik/ChronikInnsbruck/3105486-6/nach-missbrauchsvorwürfen-wurde-kinderheim-geschlossen.csp

 

Im folgenden finden Sie die Postings eines Lesers:

donervino
25.07.2011 | 23:25
Gestern noch eine „Vorzeigeeinrichtung“, heute „in Absprache mit dem Land“ geschlossen ….

In ihrer eigenen Presseaussendung

http://www.pressetext.com/news/20110725007

wirkt Johanna Heis, die Leiterin des „Pflegenest Kranebitten“ nicht wirklich einsichtig.

Allein für diese Presseaussendung sollte sie umgehend von allen Aufgaben entbunden und die Einrichtung bis zur endgültigen Schließung von fachkundigem Personal geführt werden. Dies läge allerdings auch in der Verantwortung der Jugendwohlfahrt; das ist schlimm genug …

Immerhin scheint der zuständige Landesrat Reheis spät aber doch aus seinem Winterschlaf erwacht zu sein. „Geweckt“ wäre wohl zutreffender; immerhin bedurfte es einer geballten mehrwöchigen Berichterstattung der heimischen Medien, um die Mauer des Schweigens zum Einsturz zu bringen.

Auch die unreflektierte Forderung des Landesrates nach einer „Abschaffung der Verjährung bei Missbrauch“ spricht nicht unbedingt für seine fachliche Kompetenz.
Im gegenständlichen Fall – wie auch in vielen vergleichbaren Fällen aus dem Bereich der Heimerziehung – besteht das eigentliche Problem ja nicht in der Verjährung der Tat – diese kann ja nur eintreten, wenn vertuscht, verdrängt oder die Aufsichtspflicht durch die Jugendwohlfahrtsträger auf eine Art und Weise (nicht) ausgeübt wird, dass eher von Arbeitsverweigerung gesprochen werden muss.

donervino
26.07.2011 | 00:06
Ein Blick in die Tiroler Tageszeitung
(Onlineausgabe vom Do, 11.03.2010 10:42, aktualisiert: Mo, 23.08.2010 11:09 )
hätte dem Herrn Landesrat erheblichen Erkenntnisgewinn vermittelt:

http://www.tt.com/csp/cms/sites/tt/Nachrichten/413716-6/schützt-das-gesetz-opfer-sexuellen-missbrauchs-ausreichend.csp

Wer nicht hören will, sollte zumindest lesen – oder seinen Büroleiter um die Zeitung schicken ….

Quelle: Tiroler Tageszeitung –

05.07.2011 – Standard – Kinderwunsch der Männer nimmt in Österreich signifikant ab

Warum immer mehr Männer den „Spagat“ zwischen Familienernäher und Vaterschaft „ablehnen“ erklärt Familienforscher Wolfgang Mazal.

Zur niedrigen Geburtenrate hierzulande tragen nicht nur die Frauen bei – auch immer mehr Männer begeben sich in den „Zeugungsstreik“. Im Gespräch mit derStandard.at analysiert Familienforscher Wolfgang Mazal die Gründe für diese Entwicklung. Viele Unternehmer würden nur in Sonntagsreden Familienfreundlichkeit signalisieren. An der konkreten Umsetzung hapert es jedoch. Zudem würden immer mehr junge Männer dem Spagat zwischen Familienernährer und der Vaterschaft ablehnen. Über das „perfekte Projekt Kind“, die Frage, ob die Politik der ÖVP Teil des Problems ist und darüber, was Männer eigentlich wollen, sprach er mit Katrin Burgstaller.

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09.07.2011 – Presse – Männer: Das Recht auf „Nein“ zum Kind

Früher mussten sich die Frauen rechtfertigen, wenn sie keinen Nachwuchs wollten. Jetzt spüren Männer den Druck – und müssen erklären, warum sie keine (neuen) Väter werden wollen.

Angeblich sind es die Frauen – und nur die Frauen –, die bis 50 mit der Frage des Kinderkriegens kämpfen: Sollen sie oder sollen sie nicht, mit oder ohne Partner, bringt ein Kind Erfüllung oder nimmt es das letzte Stück Freiheit?

Das kann aber wohl so nicht ganz stimmen. Ein vor Kurzem auf derstandard.at erschienenes Interview mit Wolfgang Mazal, Leiter des Österreichischen Instituts für Familienforschung, über den sinkenden Kinderwunsch von Österreichs Männern trat nämlich eine richtige Lawine von Postings los. Endlich, so lautete der Subtext vieler Beiträge, endlich werden auch wir Männer zu diesem Thema gefragt. Endlich können sie sagen, wie es ihnen damit geht. Endlich!

Diese Reaktion zeigt, dass bei dem Thema „Mann – Kind: ja oder nein“ offenbar noch mehr gesellschaftliche Baustellen offen sind als bei „Frau – Kind: ja oder nein“. Was kein Wunder ist, denn „frau“ scheint in diesem Zusammenhang weitgehend gegessen zu sein. Vor einiger Zeit stellten viele westliche Staaten fest, dass vor allem gut ausgebildete Frauen in eine Art „Gebärstreik“ getreten waren. Die Kinderlosigkeit unter Akademikerinnen stieg sprunghaft an, Modelle zur Verbesserung dieser Situation wurden gesucht, in vergleichbaren, kinderreicheren Staaten gefunden und ausprobiert: Kindergeld erwies sich zum Beispiel als nicht so wichtig wie eine effiziente Kinderbetreuung, mehr Flexibilität am Arbeitsplatz und in der Partnerschaft.

„Kinderfrei“ statt kinderlos. Im Verlauf dieser Diskussion lernten Frauen damit umzugehen, dass sie beim Thema „Familie“ in der öffentlichen Wahrnehmung nur verlieren können: Arbeiten sie zu viel, sind sie Rabenmütter; verzichten sie zugunsten der Kinder, sind sie Glucken oder „Prenzlauer-Berg-Mütter“ (gut ausgebildete Frauen, die sich einige Jahre ihren Kindern statt dem Job widmen und den Mann verdienen lassen – derzeit liebstes Feindbild der Berliner Linken). Haben sie zu viele Kinder, sind sie „Kampfmütter“ (einer der blödesten Ausdrücke überhaupt); haben sie keine, sind sie selbstsüchtig, karrieregeil und so weiter und so fort. Immerhin haben Frauen gelernt, die Entscheidung, die sie allein oder gemeinsam mit dem Partner getroffen haben, gelassener zu vertreten. Dieses mühsam erkämpfte Selbstbewusstsein spiegelt sich auch in der Diktion wider: Man kann heute auch „kinderfrei“ sagen und ist nicht mehr nur auf „kinderlos“ angewiesen.

Die ewigen Zweiten. Die Männer sind da noch nicht so weit. Vielleicht liegt es daran, dass sie bei Kinder- und Familienthemen ewige Zweite sind. Probleme, mit denen sich Frauen vor 20 Jahren herumschlugen, holen jetzt die Männer ein. Drei Beispiele zeigen das: Erstens Trennungen, da waren früher vor allem Frauen die Leidtragenden. Meistens nicht berufstätig, bedeutete eine Scheidung für sie oft das finanzielle Prekariat. Heute ist das anders. Die „Scheidungsväter“ sind in den letzten Jahren zu einer richtigen Bewegung geworden. Sie beklagen, dass sie bei einer Trennung nur noch zahlen müssten, gleichzeitig aber vom guten Willen der Exfrau abhingen, ob und wie oft sie ihre Kinder zu Gesicht bekämen.

Zweites Beispiel: Die Emanzipation von der eher distanzierten, klar demarkierten Rolle des Familienoberhaupts zum „neuen Vater“ ist noch vergleichsweise jung, dafür aber – in der Theorie zumindest – überaus erfolgreich. Kaum eine Gruppe wird derzeit so wohlwollend beäugt wie Väter, die sich aufopfernd mit ihren Kindern beschäftigen. Dieses Ideal bedeutet aber gleichzeitig auch eine gewisse Herausforderung, legt es doch nahe, dass nur ein „neuer Vater“ auch ein „guter Vater“ ist.

Diese Verklärung des „neuen Vaters“ war aber möglicherweise ein Schuss ins Knie. Denn immer mehr potenzielle Dads scheuen vor dieser doch ziemlich hoch liegenden Latte zurück. Einerseits sehen sie sich im hartnäckig wertkonservativen Österreich weiterhin als Familienerhalter, andererseits spüren sie – halb Pflicht, halb Neigung – den Druck, sich angemessen um ihre Kinder zu kümmern.

Angst vor der Doppelbelastung. Viele Männer fühlen sich dieser Doppelbelastung nicht gewachsen und reagieren wie schon hunderttausende Frauen vor ihnen: Sie entziehen sich den einander widersprechenden Anforderungen, indem sie das Kind sozusagen mit dem Bade ausschütten. Damit kommen zu den „kinderfeindlichen“ Männern, die wir ja alle zu kennen glauben – denen Kinder zu teuer, zu lästig und zu einschränkend sind –, jene Zeugungsverweigerer, die sich die gesellschaftlich auffrisierte Version der Vaterschaft einfach nicht zutrauen.

Panik ist aber noch nicht angesagt. Man sollte eher etwas Geduld mit den Männern haben und fleißig forschen, wie man es ihnen leichter machen kann. Denn obwohl die internationalen Statistiken schwarzmalen und zeigen, dass der Österreicher in puncto Kind offenbar wunschlos am glücklichsten ist, findet man auch nicht sehr oft Männer, die Nachwuchs wirklich dezidiert ausschließen. „Jetzt sicher nicht. Aber später? Wer weiß“, lautet ein Stehsatz. Vielleicht ist die Kinderskepsis nur ein Ausdruck dafür, wie sehr die Männer gesellschaftspolitisch die Orientierung verloren haben. Die andere Möglichkeit ist natürlich, dass sie wirklich alle lieber Sportwagen fahren.

(„Die Presse“, Print-Ausgabe, 10.07.2011)

09.07.2011 | 18:27 | von Doris Kraus (Die Presse)

 

29.06.2011 – Mannschafft.ch – Auch Tschechien will gemeinsame Obhut als Regel

Mittwoch, den 29. Juni 2011 um 19:14 Uhr

Das tschechische Parlament hat am 21. Juni die gemeinsame Obhut (auch Wechselmodell genannt) als Regelfall nach einer Scheidung im Familienrecht verankert. Damit setzt ein weiteres Land in Europa die gemeinsame Elternschaft in die Wirklichkeit um. Und die Schweiz fällt immer weiter zurück.

Tschechien (oder vielmehr die damalige Tschechoslowakei) kennt seit 1963 das gemeinsame Sorgerecht – nicht nur nach einer Scheidung, sondern auch für unverheiratete Eltern. Dennoch war es auch dort so, dass das Gericht im Rahmen einer Trennung die Kinder zur Mutter gab. Der Vater hatte das Nachsehen – auch wenn er willens und in der Lage war, seine Kinder mit zu betreuen. Dies obwohl der einschlägige Gesetzesparagraph bisher durchaus Platz für ein väterliches Engagement einräumte – so es denn Mutter und Richter es zuliessen. Er lautete:

Wenn beide Eltern fähig sind, ein Kind aufzuziehen und daran Interesse zeigen, kann das Gericht ein Kind den Eltern gemeinsam oder alternierend überlassen, wenn dies im Interesse des Kindes liegt und so seine Bedürfnisse am besten befriedigt werden.

Nach ausgiebigen Diskussionen und mit nur knappem Ergebnis hat sich die grosse Kammer des tschechischen Parlamentes für eine kleine, aber entscheidende Änderung im Text des Artikels entschieden. Dies nachdem zahlreiche Einwände in Bezug auf die Beeinträchtigung der kindlichen Psyche durch einen regelmässigen Wechsel des Wohnsitzes ausgeräumt wurden und einer lebendigen Beziehung zu beiden Elternteilen den Vorrang erhalten hat. Mit der neuen Formulierung kann ein Gericht einem interessierten Vater nur in Ausnahmefällen die gemeinsame Obhut verweigern, während es zuvor gute Gründe nennen musste, wenn es die gemeinsame Obhut gegen den Willen eines Elternteils verfügen wollte. Der neue Paragraph lautet nun wie folgt:

Falls beide Eltern erziehungsfähig und an der Kindeserziehung interessiert sind, vertraut das Gericht das Kind der gemeinsamen Obhut beider Elternteile an, falls es dem Kindeswohl entspricht.

Doch diese wegweisende Reform ist noch nicht in trockenen Tüchern: Der Senat als die zweite Kammer des Parlaments muss der Novelle noch zustimmen und schliesslich muss das Gesetz noch vom Staatspräsidenten unterschrieben werden.

Auch im Nachbarland Slowakei sind Bestrebungen im Gange, die gemeinsame Obhut als Regelfall zu etablieren. Die Slowaken haben vor drei Wochen noch weiter reichendere Formulierung fast durchbekommen – dort müsste das Gericht zwangsweise die gemeinsame Obhut anordnen, falls nicht eindeutig bewiesen ist, dass es gegen die Interessen des Kindes verstösst. Das Gesetz ist wegen einer einzigen Stimme nicht durchgekommen. Und das noch durch Irrtum des Chefs einer der kleinen Parteien, der die Abstimmungen verwechselte und der seinen 5 Kollegen eine falsche Anweisung gab. Zu seiner Ehrenrettung muss man jedoch sagen, dass er sich öffentlich im Interview im Fernsehen bei den Kindern entschuldigte! Die slowakischen Abgeordneten haben es nun in unveränderter Fassung noch einmal zur Abstimmung vorgelegt – sie schaffen es aber vor der Sommerpause wohl nicht mehr.

Quelle: Mannschafft.ch – http://www.mannschafft.ch/aktuelles/meldungen/589-auch-tschechien-will-gemeinsame-obhut-als-regel-

 

21.07.2011 – Salzburger Nachrichten – Kindeswohl: Panosch fordert couragierte Richter

Der für Soziales zuständige Salzburger Vizebürgermeister Martin Panosch forderte am Donnerstag anlässlich der Präsentation des Sozialberichts 2010 die zuständigen Richter auf, bei klaren Fällen auch ohne die Beiziehung eines Sachverständigen zu entscheiden.

(SN, APA). Die Zahl jener Fälle, bei denen Nachbarn, Pädagogen oder Familienmitglieder der Jugendwohlfahrt den Verdacht von Missbrauch oder Gewalt gegen Kinder melden, steigt. Gleichzeitig dauert es aber immer länger, bis das Gericht über die endgültige Entziehung der Obsorge entscheidet.

„Ich würde mir mehr Zivilcourage von den Richtern wünschen“, sagte Panosch. Es gebe auch umfangreiche Berichte der Mitarbeiter der Jugendwohlfahrt, auf die man sich bei Entscheidungen stützen könne. Gerade bei Säuglingen oder Kleinkindern wäre es für deren Entwicklung enorm wichtig, dass rasch Klarheit herrsche, ob sie bei ihrer Pflegefamilie bleiben können. Es gebe zu wenige Gerichtsgutachter und diese würden oft vor massiven Eingriffen in die Familie zurückscheuen, meinte Panosch. Es sei keine Seltenheit, dass auf eine gutachterliche Stellungnahme ein Jahr gewartet werden müsse.

In der Stadt Salzburg sind im vergangenen Jahr bei der Jugendwohlfahrt 563 Meldungen eingegangen, wonach Kinder und Jugendliche Opfer von Gewalt oder Missbrauch sein könnten. Fünf Jahre zuvor waren es nur 254 Verdachtsfälle gewesen, denen die 32 Mitarbeiter der Stadt in der Jugendwohlfahrt nachgehen mussten. In nur etwa zehn Prozent der Fälle stelle sich der Verdacht als unbegründet heraus, weiß der Leiter der Sozialabteilung des Magistrats, Winfried Wagner. Bei Gefahr in Verzug kann das Jugendamt ein Kind sofort aus der Familie herausnehmen und in einer Betreuungseinrichtung oder bei einer Pflegefamilie unterbringen. Dort bleibt es, bis ein Richter über die endgültige Unterbringung entscheidet. Das kann dauern. „Es braucht rascher Klarheit für alle Beteiligten“, forderte Panosch.

Grundsätzlich sei das Jugendamt bei Kindesabnahmen sehr vorsichtig und spreche diese nur in wirklich begründeten Fällen aus. Primär ginge es um Hilfestellung für die Familien und unterstützende Maßnahmen, sagte Wagner. Insgesamt merken die Mitarbeiter der Jugendwohlfahrt, dass immer häufiger das Angebot von Unterstützung durch betroffene Familien boykottiert werde, berichtete Panosch.

© SN/SW

21. Juli 2011 | 13:59 | Salzburg

Quelle: Salzburger Nachrichten – http://www.salzburg.com/online/salzburg/aktuell/Kindeswohl-Panosch-fordert-couragierte-Richter.html?article=eGMmOI8V5Wkx3I3LRjzYNcYx9qlDGgtTOw9TuZm&img=&text=&mode=

 

12.05.2010 – sueddeutsche – Ermittlungen in Wien, Skandal um Sexpartys mit Kindern

Bei organisierten sadomasochistischen Sexpartys sollen in Wien Minderjährige schwer missbraucht worden sein. Die Staatsanwaltschaft ermittelt.

Bei organisierten sadomasochistischen Sexpartys sollen Mitte der neunziger Jahre in Wien Minderjährige schwer missbraucht worden sein. Die Staatsanwaltschaft ermittle gegen den Chef einer Reinigungsfirma und fünf mögliche Mittäter, bestätigte ein Sprecher.

Der Mann stand wegen ähnlicher Vorwürfe bereits zwei Mal vor Gericht, wurde aber mangels Beweisen immer freigesprochen. Nun wandten sich erneut zwei ehemalige Insassen eines Wiener Heims für Schwererziehbare und ein Lehrer an die Behörden und erstatteten Anzeige.

Die heute erwachsenen Männer beschreiben Ungeheuerliches: Jungen und Mädchen aus Wiener Heimen und Internaten seien bei Treffen in zwei Wiener Wohnungen zum Sex gezwungen und sadistisch misshandelt worden. Die Organisatoren hätten sich gezielt schwache Kinder gesucht, die keine Angehörigen hatten oder bereits Opfer von sexuellem Missbrauch waren.

Die Leitung ihres Heimes habe davon gewusst und die Kinder „wie Ware verkauft“. „Ich war zwischen zwölf und 13, und zu mir haben sie gesagt, wenn irgendwer was sagt, dann findet uns keiner“, beschrieb ein 24-Jähriger im ORF-Radio.

Die Männer hätten gedroht, die Kinder in Säure einzulegen. Der zweite heute 27-jährige Zeuge behauptet, von dem Unternehmer als damals Elfjähriger im Heim als Putzkraft angeworben worden zu sein. Er habe die Räumlichkeiten und SM-Utensilien gegen Geld gereinigt und dabei rund 170 Beweisfotos gestohlen.

Diese habe er vor Jahren der Polizei übergeben, sie seien aber verschwunden. Bisher ist unklar, ob sich durch die Anzeige und die Äußerungen der Männer der Sachverhalt verändert hat und der Hauptverdächtige erneut angeklagt wird. Ihres Wissens habe sich mindestens ein neuer Zeuge gemeldet, sagte die Kinder- und Jugendanwältin der Stadt Wien, Monika Pinterits.

Der Anwalt des Hauptverdächtigen wies in den Medien alle Vorwürfe gegen seinen Mandanten zurück. Der Hauptbelastungszeuge habe von dem Unternehmer Geld erpressen wollen, sagte er der österreichischen Nachrichtenagentur APA. Die Betreiber des Heims waren für eine Stellungnahme zunächst nicht erreichbar.

12.05.2010, 09:53

Quelle: Süddeutsche Zeitung – http://www.sueddeutsche.de/panorama/ermittlungen-in-wien-skandal-um-sexpartys-mit-kindern-1.942457

 

15.07.2011 – Tagesspiegel – Missbrauch vor allem in Heimen

Eine deutschlandweite Studie geht den Vorwürfen wegen sexuellen Missbrauchs in deutschen Kinder- und Jugendeinrichtungen nach. Verdachtsfälle gibt es demnach auch an jeder zweiten Schule. Die Kirche will die Fälle der letzten 60 Jahre untersuchen lassen.

Berlin – Als vor eineinhalb Jahren Fälle von sexuellem Missbrauch an deutschen Schulen bekannt wurden, ging ein Aufschrei durchs Land. Am Mittwoch präsentierte die Missbrauchsbeauftragte der Bundesregierung, Christine Bergmann, die Ergebnisse einer deutschlandweiten Studie. Diese war in Auftrag gegeben worden, um mehr Informationen über das jahrzehntelang tabuisierte Thema zu erhalten. Für Bergmann ist das Ergebnis eindeutig: „Missbrauch ist nicht ein Thema der Vergangenheit, sondern der Gegenwart.“

Zudem kritisierte sie fehlende Kompetenzen bei Pädagogen im Umgang mit sexuellem Missbrauch. „Die Lehrer müssen wissen, wie sie mit Kindern umgehen, die ihnen von Missbrauch berichten.“

Die Ergebnisse zeigen, dass es in Heimen deutlich öfter zu sexueller Gewalt kommt als an Schulen oder in Internaten. Etwa die Hälfte aller Schulen, 67 Prozent der Internate und rund 82 Prozent der Heime seien überhaupt schon einmal mit Verdachtsfällen konfrontiert gewesen. Dazu zählen Übergriffe, die von Mitarbeitern und Lehrern sowie von Mitschülern beziehungsweise anderen Heimkindern ausgingen. Ebenfalls wurden in der Statistik Fälle berücksichtigt, die sich zwar außerhalb der Institutionen abspielten, dann aber an Lehrer oder andere Mitarbeiter gemeldet wurden.

Thomas Rauschenbach, Direktor des Deutschen Jugendinstituts (DJI), erläuterte, dass es bei 20 Prozent der Fälle an Schulen zu dienstrechtlichen Konsequenzen gekommen sei, in Internaten und Heimen bei rund einem Drittel. Mindestens in diesen Fällen konnte der Verdacht also bestätigt werden. Der Forscher geht aber von einer deutlich höheren Dunkelziffer aus. „Sexueller Missbrauch in all seinen Facetten ist virulent in allen pädagogischen Einrichtungen“, sagte der Experte.

Für die Untersuchung wurden Schulleitungen, Lehrkräfte und Mitarbeiter von Internaten und Heimen in allen Bundesländern bis auf Bayern befragt. Die Kooperation sei erstaunlich gut gewesen. Schüler konnten aus Zeitgründen nicht interviewt werden.

Am Mittwoch präsentierte zudem die katholische Kirche ihre Pläne, um sexuellen Missbrauch aufarbeiten zu lassen. In zwei wissenschaftlichen und von der Bischofskonferenz finanzierten Forschungsprojekten soll das „dunkle Kapitel“ von unabhängigen Experten beleuchtet werden, sagte der Trierer Bischof und Missbrauchsbeauftragte Stephan Ackermann in Bonn. Die Kirche wolle „der Wahrheit auf die Spur kommen“. Grundlage dafür sind Personalakten ab 1945 sowie Befragungen von Opfern und Tätern. Mit den Studien soll zudem ermittelt werden, unter welchen Umständen es zu sexuellen Übergriffen gekommen und wie die Kirche damit umgegangen ist. Aus den Ergebnissen wolle man „noch mehr lernen für die Prävention“, sagte Ackermann. Erste Ergebnisse sollen bereits in gut einem Jahr vorgestellt werden.

Die Aufarbeitung findet parallel zu den Entschädigungszahlungen für die Opfer statt. Die Zahl solcher Opfermeldungen sei inzwischen „deutlich zurückgegangen“, so Ackermann. Konkrete Zahlen nannte er nicht. Jedem Opfer will die katholische Kirche bis zu 5000 Euro Entschädigung zahlen, in Einzelfällen auch mehr. mit dpa

15.07.2011 15:12 Uhr | Von Marc Etzold

Quelle: Tagesspiegel – http://www.tagesspiegel.de/politik/missbrauch-vor-allem-in-heimen/4391036.html

 

Weitere Artikel zum Thema:

14.07.2011 – BR-online – Missbrauch, Kirche auf Motivforschung

13.07.2011 – 16vor – Bischöfe engagieren Forscher

07.07.2011 – kathweb – Deutsche Bischofskonferenz lässt zu Missbrauch forschen